40.000 auf den Vorwiesen: Der FC eröffnet seine Saison
Rund 40.000 Menschen kamen am Samstag zur Saisoneröffnung des 1. FC Köln nach Müngersdorf. Neu war ein FC-Fandorf, ein Testspiel gab es nicht.
Lesezeit 6 Min.
Um 11.11 Uhr ging es los, und schon eine Stunde später war auf den Vorwiesen am RheinEnergieSTADION kaum noch ein Durchkommen. Rund 40.000 Menschen kamen am Samstag, 1. August 2026, zur Saisoneröffnung des 1. FC Köln nach Müngersdorf. Der Eintritt war frei, das Parken auch. Bei bis zu 26 Grad und weitgehend klarem Himmel blieben viele länger als geplant. Bis 17.30 Uhr lief das Programm, danach war die Wiese wieder eine Wiese.
Ein Testspiel gab es nicht. Andere Klubs verbinden ihre Saisoneröffnung mit einem Auftritt gegen einen Gegner; der FC verzichtet darauf und lässt stattdessen die Mannschaften vorstellen, die Hymne singen und die Fans an die Profis heran. Das ist bescheidener, als es klingt, und funktioniert trotzdem. Von 12 bis 14.30 Uhr schrieben die Spielerinnen und Spieler an acht Stationen Autogramme, die Frauen- wie die Männermannschaft. Acht Stationen bei 40.000 Gästen sind rechnerisch keine großzügige Ausstattung; der Klub hatte deshalb vorab empfohlen, früh zu kommen.
Die Schlangen standen schon, bevor die Stationen öffneten. Unterschrieben wurde auf Trikots, auf Sammelkarten und, das ist inzwischen der Normalfall, auf Handyhüllen. Dabei waren nach Berichten vom Platz unter anderem Marvin Schwäbe, Timo Hübers und Luca Waldschmidt sowie die Neuzugänge Luka Lochoshvili, Gideon Mensah und der 18-jährige Reigan Heskey, der aus der Akademie von Manchester City kam. Für die meisten Kinder auf dieser Wiese war das der einzige Moment im Jahr, in dem ein Profi ihnen gegenübersteht und nicht 60 Meter entfernt auf einem Rasen.
Ein Fandorf gab es zum ersten Mal
Die einzige echte Neuerung des Tages stand etwas abseits der Bühne. Zum ersten Mal richtete der Klub ein FC-Fandorf ein, in dem sich acht offizielle Fanclubs mit eigenen Ständen präsentierten. Mitglieder anerkannter Fanclubs bekamen Zugang zu einem eigenen Bereich mit Get-together-Zone und Torwand. Der Gedanke dahinter ist weniger folkloristisch, als er wirkt: Fanclubs verlieren seit Jahren Mitglieder, weil die Bindung an feste Gruppen nachlässt. Ein Zelt auf der Saisoneröffnung ersetzt das nicht, aber es macht sichtbar, dass es die Strukturen noch gibt.
Das Bühnenprogramm war eng getaktet und blieb konsequent im Dialekt. Um 11.20 Uhr eröffnete die Brass- und Karnevalsband Druckluft mit einer halben Stunde, um 12.05 Uhr traten die FC-Cheerleader auf, um 12.50 Uhr der Rapper Eko Fresh. Nachmittags folgten die Planschemalöör ab 14.05 Uhr, die Domstürmer ab 15.50 Uhr und der Kölner Männerchor Grüngürtelrosen ab 16.30 Uhr. Hennes IX. war ebenfalls da. Kölscher ging es kaum, was in Müngersdorf niemanden überrascht hat und außerhalb Kölns vermutlich schwer zu erklären ist.
Den Kern des Tages bildeten trotzdem 50 Minuten ohne Musikact. Von 14.50 bis 15.40 Uhr wurden die Teams vorgestellt und die Hymne gemeinsam gesungen; das ist der Punkt, an dem eine Wiese kurz wie ein Stadion klingt. Wer wissen will, warum ein Verein so etwas veranstaltet, obwohl es sportlich nichts einbringt, findet die Antwort in diesen Minuten. Danach ging es zurück an die Stände.
Zwei Ehrungen standen zwischen den Musikacts
Zwischen den Auftritten lagen zwei Programmpunkte, die man leicht überhört. Von 13.40 bis 13.50 Uhr ehrte der Klub 75 Jahre Tischtennis — eine der Abteilungen, die außerhalb des Vereins niemand mit dem FC verbindet und die es trotzdem länger gibt als die Bundesliga. Um 16.20 Uhr wurde das 170.000. Mitglied ausgezeichnet. Fünf Minuten Bühnenzeit für eine Zahl, die andernorts eine Pressekonferenz füllen würde. Das ist Müngersdorf: Der Rekord kommt zwischen den Domstürmern und dem Männerchor.
Die Partner haben die Wiese möbliert
Zwischen Bühne und Fandorf standen die Stände der Abteilungen und der Sponsoren, und die machten einen erheblichen Teil der Fläche aus. Für Kinder war das der eigentliche Grund, überhaupt mitzukommen. Der Verein listete unter anderem folgende Angebote auf:
- REWE: Tischkicker, zwei Soccer Courts, Fußball-Billard, Fotokick, Airbrush-Tattoos und Fanschminken
- RheinEnergie: Hüpfburg, Wassertheke, Popcorn und Robokeeper
- adidas: Footwear Truck, Giant Jersey und Dribbelparcours
- DEVK: Adrenalin-Erlebnisbahn und Sitzfußball-Tisch
- Telekom: Human Table Soccer und Torwandschießen
- Stadiontouren, für Kinder bis sechs Jahre kostenlos
Daneben stellte die FC-Stiftung ihre inklusiven Sportangebote vor, mit Soccer Court und einem Feld für Walking Football — Fußball im Gehen, gedacht für ältere Spielerinnen und Spieler und für alle, denen das Laufen schwerfällt. Der Pänzclub, die Kindersparte des Vereins, hatte Torwand, Hüpfburg und Fußballdarts aufgebaut. Wer den Tag mit einem Kind unter zehn verbrachte, hat vom Bühnenprogramm vermutlich wenig mitbekommen und war trotzdem beschäftigt.
Zur Anreise empfahl der Klub Bus und Bahn; die KVB-Linie 1 hält an der Haltestelle Rheinenergie-Stadion. Angesichts der Besucherzahl war das kein frommer Wunsch, sondern die einzige praktikable Empfehlung. Fürs Rad gab es reichlich Abstellfläche. Wer trotzdem mit dem Auto kam, stand auf den Zufahrten. Auch das gehört seit Jahren zum Ritual dieses Tages.
Bemerkenswert an diesem Samstag ist eine Zahl, die nirgends aufgeschrieben stand: null. Der Eintritt kostete nichts, das Parken kostete nichts, die Stadiontour für Kinder bis sechs Jahre kostete nichts. Bei einem Heimspiel im selben Stadion füllt sich der Innenraum nur gegen Ticket, und die Vorwiesen sind dann Durchgangsfläche. An einem Tag im Jahr ist es umgekehrt: Das Stadion bleibt weitgehend geschlossen, und die Wiese davor ist der Ort, an dem der Verein stattfindet. Für Familien, die sich zwei Dauerkarten nicht leisten, ist das der eine Termin, der drin ist.
Für René Wagner war es die erste eigene Eröffnung
Sportlich war der Samstag ein Zwischenhalt. Es war die erste Saisoneröffnung unter René Wagner, der im März 2026 fest übernommen und den Klassenerhalt gesichert hatte. Die Vorbereitung hatte am 13. Juli begonnen. Am 18. Juli spielte der FC im Südstadion gegen Rheinsüd Köln, am 23. Juli bei SV Bergisch Gladbach 09. Vom 24. bis 31. Juli stand das Trainingslager in Kitzbühel an, an dessen Ende am 31. Juli um 12 Uhr ein Test gegen Hertha BSC im Kosastadion in St. Johann lag.
Zwischen dem Anpfiff in St. Johann und dem Beginn der Autogrammstunde in Müngersdorf lagen damit genau 24 Stunden. Man kann diesen Samstag als Marketingtermin abtun. Man kann ihn auch als das nehmen, was er organisatorisch ist: der erste öffentliche Auftritt einer Mannschaft, die in dieser Zusammensetzung seit drei Wochen zusammenarbeitet, vor 40.000 Leuten, die sie durch die Saison begleiten sollen. Für die Spieler bedeutete das zweieinhalb Stunden Stehen, Lächeln und Schreiben, bei bis zu 26 Grad und weitgehend klarem Himmel.
Der Rest des Augusts ist eng getaktet. Am 7. und 8. August testet der FC gegen Real Sociedad San Sebastián, zuerst unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Franz-Kremer-Stadion, dann am Samstag um 15.30 Uhr im RheinEnergieSTADION mit Zuschauern. Am 24. August um 18 Uhr geht es in der ersten Runde des DFB-Pokals zu den Würzburger Kickers. Der Bundesliga-Auftakt folgt am 29. August um 15.30 Uhr gegen die TSG Hoffenheim. Den Sommerfahrplan hat der Klub vollständig veröffentlicht.
Drei Wochen zwischen Fanfest und Pflichtspiel sind wenig, wenn die Mannschaft noch nicht steht, und viel, wenn sie es tut. Welcher Fall zutrifft, war am Samstag zwischen Hüpfburg und Torwand nicht zu erkennen, und das ist keine Kritik an der Veranstaltung: Ein Fanfest ist kein Testlauf, sondern ein Termin für alle anderen. Die Ankündigung des Klubs hat genau das versprochen und nicht mehr.
Was ein Fanfest über eine Saison aussagt, ist bekanntlich nichts. 40.000 Menschen auf einer Wiese im August sind kein Punkt in der Tabelle. Sie sind allerdings auch kein schlechtes Zeichen für einen Verein, der im vergangenen Frühjahr um den Klassenerhalt gespielt hat. Am 29. August wird gezählt, was zählt.




