2:2 gegen Hertha: Der FC beendet das Trainingslager in Kitzbühel
Der 1. FC Köln beendet sein Trainingslager mit einem 2:2 gegen Hertha BSC. Zweimal führte der FC, zweimal glich der Zweitligist wieder aus.
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Der 1. FC Köln hat sein Trainingslager in Kitzbühel am Freitag, 31. Juli, mit einem 2:2 gegen Hertha BSC beendet. Angepfiffen wurde um zwölf Uhr im Koasastadion in St. Johann in Tirol, rund 1.500 Zuschauerinnen und Zuschauer sahen zu. Beide Vereine hatten sich vorab nicht auf die üblichen zweimal 45, sondern auf zweimal 60 Minuten verständigt — eine Verabredung, die in der Vorbereitung häufiger vorkommt, weil sie zwei kompletten Mannschaften jeweils eine ordentliche Belastung verschafft. Genau so trat der FC auch an: erst die eine Elf, dann die andere.
Ragnar Ache traf früh. In der siebten Minute schloss er nach Vorarbeit von Jan Thielmann aus rund 20 Metern ab, der Ball ging flach ins linke Eck; eine zweite Zählweise setzt den Treffer auf die achte Minute. Danach hatte Köln über Strecken mehr vom Spiel. Said El Mala scheiterte in der 44. und in der 55. Minute, einmal lenkte Hertha-Torwart Gersbeck den Ball an die Latte. Die Berliner, in der abgelaufenen Saison Zweitligist, kamen über Konter und Weitschüsse; Jan-Luca Schuler prüfte Marvin Schwäbe in der 28. Minute.
Zwei Elfen, zwei Führungen, zwei Gegentore
Trainer René Wagner ließ in beiden Hälften unterschiedliche Formationen auflaufen. In der ersten Stunde standen Schwäbe im Tor sowie Schmied, Krauß, Waldschmidt, Ache, El Mala, Castro-Montes, Okon-Engstler, Lochoshvili, Thielmann und Fürst auf dem Platz. Nach dem Wechsel übernahmen Zieler, Johannesson, Heskey, Kristal, Simpson-Pusey, Sebulonsen, Bülter, van den Berg, Maina, Niang und Friemel. Das ist keine Aufstellung im Wortsinn, sondern eine Belastungssteuerung. Erkenntnisse über die künftige Startelf lassen sich daraus kaum ableiten — außer der, dass der Kader breit genug ist, um zweimal sechzig Minuten ordentlich zu füllen.
- Erste Hälfte: Schwäbe – Schmied, Krauß, Lochoshvili, Castro-Montes – Okon-Engstler, Fürst – Thielmann, Waldschmidt, El Mala – Ache
- Zweite Hälfte: Zieler – Johannesson, Heskey, Kristal, Simpson-Pusey – Sebulonsen, van den Berg – Maina, Friemel, Niang – Bülter
- Wechsel innerhalb der ersten Stunde: Niang für Ache und Irmiev für Okon-Engstler, beide in der 51. Minute
- Wechsel in der zweiten Stunde: Yacobi für Niang in der 112. Minute
Auch das zweite Aufgebot begann ordentlich. Reigan Heskey, einer der Neuzugänge, vergab in der 71. Minute knapp. In der 74. Minute traf der FC innerhalb einer Szene dreimal das Aluminium: erst Bülter an die Unterkante der Latte, dann Niang nacheinander an beide Innenpfosten. Sechs Minuten später köpfte Sebastian Grønning den Ausgleich. Nach einer Ecke von Linton Maina stellte Marius Bülter in der 107. Minute per Kopf wieder auf 2:1. In der Schlussminute, der 120., fiel das zweite Berliner Tor aus spitzem Winkel unter die Latte.
Wer es geschossen hat, ist eine Frage der Quelle. Der Verein führt in seinem Spielbericht Soufian Gouram als Torschützen, das Fanportal come-on-fc.com nennt Selim Telib. Beide Namen stehen für Berliner Einwechselspieler, aufgelöst wurde der Widerspruch bis Redaktionsschluss nicht. Für ein Testspiel Ende Juli ist das folgenlos. Es zeigt aber, wie belastbar die Datenlage bei Partien ist, die kein Verband ansetzt und kein offizielles Spielberichtsformular erfasst. Gezählt wird, was jemand aufgeschrieben hat.
Acht Tage Tirol und ein Sommerplan mit wenigen Terminen
Das Trainingslager hatte am 24. Juli begonnen und dauerte bis zum Spieltag. Insgesamt ist der Sommerfahrplan des FC überschaubar: Trainingsauftakt am 13. Juli, ein erstes Testspiel am 18. Juli um 11 Uhr gegen Rheinsüd Köln im Südstadion, ein zweites am 23. Juli um 18 Uhr beim SV Bergisch Gladbach 09, dann Kitzbühel und zum Abschluss Hertha. Vier Vorbereitungsspiele vor dem letzten Test — das ist wenig im Vergleich zu Vereinen, die in derselben Zeit sechs oder sieben Partien absolvieren, entspricht aber dem Trend, die Zahl der Spiele zugunsten von Trainingsinhalten zu senken.
Nach der Rückkehr aus Tirol stand am Samstag, 1. August, die Saisoneröffnung mit Autogrammstunde in Köln an. Der letzte Test folgt am Freitag, 8. August, um 15.30 Uhr im RheinEnergieSTADION gegen Real Sociedad San Sebastián; Karten dafür gibt es im Onlineshop des Vereins. Pflichtspielernst wird es am 24. August, wenn der FC um 18 Uhr in der ersten Runde des DFB-Pokals bei den Würzburger Kickers antritt. Der erste Bundesliga-Spieltag folgt am 29. August um 15.30 Uhr mit dem Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim.
Zwischen dem Abpfiff in St. Johann und dem ersten Pflichtspiel liegen damit gut drei Wochen, zwischen ihm und dem Bundesligastart vier. Das ist eine lange Zeit ohne Wettbewerb, und sie erklärt, warum die Partie gegen San Sebastián eine andere Funktion hat als die vier davor: Sie ist der letzte Termin, an dem eine Startelf einmal zusammenhängend spielen kann, bevor es zählt. Wer am 8. August in Müngersdorf 90 Minuten bekommt, sagt mehr über den Plan für Würzburg aus als jede Aufstellung aus Tirol.
Wer nicht spielte, ist auch eine Information
Nicht auf dem Platz standen nach Angaben des Fanportals come-on-fc.com Gideon Mensah und Elias Bakatukanda. Gründe nannte der Verein nicht, und in einem Trainingslager sind sie selten dramatisch: Belastungssteuerung, ein Wehwehchen, ein individuelles Programm. Auffällig ist es dennoch, weil beide in der Abwehr zu Hause sind und die Abwehr in diesem Spiel zweimal geöffnet wurde. Ob das zusammenhängt, lässt sich aus einem Testspiel nicht ableiten. Es ist die Art Frage, die man sich am 8. August im RheinEnergieSTADION wieder stellen kann.
Was das Testspiel taugt und was nicht
Testspielergebnisse im Juli sind Wetterberichte für vorgestern. Trotzdem lassen sich zwei Dinge festhalten. Erstens: Der FC trifft. Ache aus der Distanz, Bülter nach Standard, dazu die Lattenchance von El Mala und drei Aluminiumtreffer in einer einzigen Szene — Torgefahr aus unterschiedlichen Mustern ist mehr, als man nach acht Tagen Trainingslager erwarten muss. Zweitens: Die Restverteidigung kostete beide Male ein Gegentor, einmal nach Konter, einmal in der Schlussminute. Wer in der Bundesliga zwei Führungen abgibt, holt keinen Punkt, sondern verliert.
Zwei Führungen herzugeben ist im Juli kein Drama. Es ist auch keine Kleinigkeit. In Vorbereitungsspielen entscheidet weniger das Ergebnis als die Frage, wann eine Mannschaft die Ordnung verliert — und der FC verlor sie zweimal spät, in der 80. und in der 120. Minute, also jeweils dann, wenn die Belastung sich bemerkbar macht. Das ist der Zweck solcher Spiele: Man sieht, wo die Kondition endet. Beruhigend ist es trotzdem nicht, wenn man die vergangene Saison im Kopf hat, die der FC auf Platz 14 beendete.
Bemerkenswert ist auch der Gegner. Hertha BSC spielte zuletzt in der zweiten Liga, hat also einen anderen Rhythmus als ein Bundesligist — und war trotzdem in der Lage, zweimal zurückzukommen, beide Male gegen eine Kölner Formation, die zu diesem Zeitpunkt gleich lange auf dem Platz stand. Für die Einordnung des FC-Sommers heißt das wenig; für die Einordnung des Berliner Sommers vermutlich mehr. In Kitzbühel wurde am Freitag jedenfalls keine Saison entschieden, sondern lediglich ein Trainingslager beendet.
Das Format der Partie erklärt einen Teil davon. Zweimal sechzig Minuten bedeuten, dass zwei komplette Mannschaften eine längere zusammenhängende Einheit bekommen als in einem regulären Testspiel, in dem nach 45 Minuten fünffach getauscht wird. Der Preis ist, dass keine der beiden Formationen in der Zusammensetzung spielt, die später auflaufen wird. Nach acht Tagen Trainingslager ist das die sinnvollere Rechnung. Vor einem Pflichtspiel wäre sie es nicht — und deshalb wird der 8. August anders aussehen.
Die Mannschaft reiste anschließend zurück nach Köln. Bis zum Bundesligastart bleiben vier Wochen, in denen der Kader noch Bewegung sehen dürfte; die Transferperiode läuft. Wer den Verein länger begleitet, kennt die Rechnung: Ein Zugang im August verändert eine Hierarchie schneller als acht Tage Tirol. Für die Anhängerschaft heißt das vor allem, dass die erste einigermaßen belastbare Beobachtung nicht aus Tirol kommt, sondern aus Müngersdorf. Was am Freitag zu sehen war, taugt als Zwischenstand und nicht als Prognose.
Ein 2:2 im Juli hat noch nie jemanden davon abgehalten, im September Erster zu sein — oder Letzter.




