Zwei Tage ohne Autos: Ehrenfeld feiert sein Straßenfest auf der Venloer Straße
Mehrere Bühnen, hunderte Stände, eine untersagte Gratis-Show: Am 8. und 9. August gehörte die Venloer Straße den Fußgängern. Das Ehrenfelder Straßenfest gilt als eines der größten der Stadt – und die Kölner Festsaison ist noch lange nicht vorbei.
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Freitag, 18 Uhr: Auf der Venloer Straße ging für Autos nichts mehr. Von diesem Moment an gehörte Ehrenfelds Hauptachse zwischen Innerer Kanalstraße und Ehrenfeldgürtel zunächst den Aufbautrupps – und ab Samstagmittag den Besucherinnen und Besuchern des Ehrenfelder Straßenfests. Am 8. und 9. August 2026 wurde die zentrale Einkaufsstraße des Veedels zur Festmeile mit mehreren Bühnen, hunderten Ständen und einem Essensangebot, das von türkischer über polnische bis zu vietnamesischer und veganer Küche reichte. Der Eintritt war an beiden Tagen frei. Das Stadtportal koeln.de führt die Veranstaltung als eines der größten Straßenfeste Kölns, und auch die Terminübersichten der Stadtmagazine ordnen sie durchgängig in dieser Kategorie ein.
Die Eckdaten waren klar gesetzt. Am Samstag lief das Fest nach Angaben des Stadtportals von 14 bis 22 Uhr, am Sonntag von 11 bis 21 Uhr. Organisiert wurde es nach Angaben des Veranstaltungsportals festivalsindeutschland.de von der Agentur von der Gathen gemeinsam mit der Interessengemeinschaft Venloer Straße, in der sich Händlerinnen, Händler und Gewerbetreibende des Veedels zusammengeschlossen haben. Diese Arbeitsteilung ist typisch für die großen Kölner Straßenfeste: Ein professioneller Veranstalter kümmert sich um Aufbau, Genehmigungen und Sicherheit, die lokale Interessengemeinschaft bringt die Geschäfte der Straße ein. Für viele Läden an der Venloer Straße ist das Wochenende damit zugleich Schaufenster und Bühne.
Das Magazin CityNEWS hatte das Fest vorab als „multikulturelle Erlebniswelt mit mehreren Veedels-Bühnen und Newcomer-Bands" angekündigt; das Stadtportal nannte drei Bühnen mit Livemusik. Nach Angaben von festivalsindeutschland.de verteilte sich das Programm auf eine Hauptbühne mit Pop, Indie und Kölner Acts, eine Weltmusikbühne mit türkischen, kurdischen, afrikanischen und lateinamerikanischen Künstlerinnen und Künstlern sowie einen Bereich für elektronische Musik mit Techno und House. Genau diese Mischung unterscheidet Ehrenfeld von anderen Veedelsfesten: Die Venloer Straße gehört zu den internationalsten Straßen der Stadt, und das Bühnenprogramm bildete das ab – bis hin zu den Newcomer-Bands, die hier vor deutlich mehr Publikum spielen als in jedem Club des Viertels.
Dazwischen blieb das Fest, was ein Veedelsfest sein soll. Es gab Fahrgeschäfte und Kinderangebote bis hin zum Entenangeln, dazu hunderte Verkaufsstände mit Kunsthandwerk, Vintage-Kleidung und Schallplatten. Die Preise bewegten sich nach Angaben von festivalsindeutschland.de bei etwa 5 bis 10 Euro für Essen und 3 bis 5 Euro für Getränke – Größenordnungen, wie sie auch auf anderen Kölner Festen üblich sind. Wer nichts kaufen wollte, konnte schlicht flanieren: Zwei Tage lang war die Venloer Straße das, was sie im Alltag nie ist, nämlich eine Fußgängerzone von der Inneren Kanalstraße bis zum Gürtel.
300.000 Besucher? Eine Erwartung, keine Messung
Zur Größe des Festes kursiert eine beeindruckende Zahl. Das Portal festivalsindeutschland.de bezifferte die erwarteten Gäste vorab auf rund 300.000 über das Wochenende – das wäre mehr als ein Viertel der Kölner Stadtbevölkerung von gut einer Million Menschen. Überprüfen lässt sich diese Angabe nicht. Das Fest hat keine Eingänge und keine Kassen, niemand zählt, wer zum Feiern kommt und wer nur auf dem Weg zur Bahn durch die Menge muss. Eine offizielle Bilanz der Veranstalter zum Wochenende lag bis Montag nicht vor. Die 300.000 beschreiben also eine Erwartung, keine Messung – als Anhaltspunkt für die Dimension des Festes taugen sie trotzdem, denn sie erklären den Aufwand, den Stadt und Veranstalter bei Sperrung und Sicherheit betreiben.
Die Stadt untersagte ein Gratiskonzert von Blumengarten
Für den größten Wirbel vor dem Fest sorgte eine Absage. Das Pop-Duo Blumengarten wollte am Samstag um 18 Uhr ein kostenloses Konzert auf dem Straßenfest geben – die Stadt Köln untersagte den Auftritt. Nach Angaben der Stadtverwaltung fehlten sowohl ein Antrag als auch ein Sicherheitskonzept für das Konzert. Wegen des parallel laufenden Straßenfests und der beengten Platzverhältnisse sei die Gefahr von Überfüllung und einer unkalkulierbaren Gefahrensituation zu groß gewesen, hieß es zur Begründung. An die Fans gerichtet erklärte die Stadt: „Für die Stadt Köln hat eure Sicherheit oberste Priorität."
Blumengarten, das sind Sänger Rayan Djima und Produzent Samuel „Sammy" Eickmann. Die beiden sind in Velbert aufgewachsen, leben inzwischen in Köln und wurden einem breiteren Publikum durch den Song „Gut genug" bekannt, den sie gemeinsam mit Shirin David veröffentlichten. Die Band teilte über ihre Kanäle mit, das Konzert könne aus Sicherheitsgründen nicht stattfinden; man arbeite an einer Alternative und werde sich melden. Für die Einschätzung des Straßenfests ist der Vorgang aufschlussreich: Wenn ein einzelnes, kurzfristig angekündigtes Gratiskonzert aus Sicht der Behörden die Sicherheitsplanung eines ganzen Festwochenendes gefährden kann, sagt das über die erwarteten Menschenmengen mehr als jede Schätzung.
Sperrung ab Freitagabend – und Bahnen statt Parkplätze
Für den Alltag im Veedel war das Wochenende ein Ausnahmezustand mit Ansage. Die Sperrung der Venloer Straße begann bereits am Freitag um 18 Uhr; Fahrzeuge, die danach noch auf der Strecke standen, wurden nach Angaben des Stadtportals abgeschleppt. Mehrere Seitenstraßen waren für den Durchgangsverkehr gesperrt, blieben für Anwohnerinnen und Anwohner aber erreichbar. Wer zum Fest wollte, kam am besten mit dem Nahverkehr: Die Stadtbahnlinien 3, 4 und 5 halten entlang der Strecke, dazu die S-Bahn-Linien S11, S12 und S13 am Bahnhof Ehrenfeld. Ein eigenes Auto war an diesem Wochenende rund um die Venloer Straße keine Hilfe, sondern ein Risiko.
Das Ehrenfelder Fest steht mitten in einer dichten Saison. Wie viele Straßenfeste Köln 2026 genau feiert, hängt von der Zählweise ab: Das Magazin CityNEWS listet 19 Termine zwischen April und September, das Portal verliebtinkoeln.com kommt auf 29 Feste in den Veedeln – je nachdem, was als Straßenfest gilt und was als Markt oder Themenfest gezählt wird. Unstrittig ist, dass der August der vollste Monat ist. Allein am vergangenen Wochenende lief parallel zur Ehrenfelder Festmeile die 26. Kölner Bierbörse am Konrad-Adenauer-Ufer, von Freitag bis Sonntag, mit rund 40 Bier- und Speiseständen an der Rheinpromenade.
Agnesviertel und Lindenthal folgen noch im August
- Apéro Markt im Grüngürtel: noch bis zum 20. September
- Trauben- und Hopfenfest am Rheinufer: 14. bis 16. August
- Straßenfest Agnesviertel auf der Neusser Straße: 15. und 16. August
- Lindenthaler Sommerfest auf der Dürener Straße: 29. und 30. August
- Carrée-Fest in Sülz/Klettenberg: 5. und 6. September
- Herthastraßenfest in Zollstock: 12. September
Schon am kommenden Wochenende geht es weiter. Im Agnesviertel wird am 15. und 16. August auf der Neusser Straße zwischen Ebertplatz und Agneskirche gefeiert; CityNEWS kündigt eine familiäre Atmosphäre mit Weindorf an, am Sonntag öffnen die Geschäfte von 13 bis 18 Uhr. Ende des Monats folgt Lindenthal: Am 29. und 30. August wird die Dürener Straße zur, so die Ankündigung, „kilometerlangen Flaniermeile" mit Modenschauen und Sportaktionen, ebenfalls mit verkaufsoffenem Sonntag von 13 bis 18 Uhr. Die verkaufsoffenen Sonntage sind für die beteiligten Händler ein wesentlicher Teil der Rechnung: Die Feste bringen Menschen vor Schaufenster, an denen sie an einem normalen Wochenende nicht vorbeikämen.
In Ehrenfeld ist seit Montag wieder Alltag. Die Absperrungen sind abgeräumt, der Verkehr rollt wieder über die Venloer Straße, die Stände sind verladen. Was bleibt, ist zweierlei: für die Händler und Gastronomen zwischen Innerer Kanalstraße und Gürtel ein Wochenende mit Publikum in einer Größenordnung, die sich sonst nirgends im Veedel herstellen lässt – und für alle anderen die beiläufige Erfahrung, wie sich die wichtigste Einkaufsstraße Ehrenfelds ohne Autos anfühlt. Der nächste Termin dafür steht so gut wie fest: Das Straßenfest gehört zum festen Kalender, die Ausgabe 2027 dürfte wieder auf ein Augustwochenende fallen.
- CityNEWS: Straßenfeste 2026 in Köln – alle Termine, Highlights und Veedels-Events im Überblick
- verliebtinkoeln.com: 29 Kölner Straßenfeste, die 2026 in den Veedeln stattfinden
- koeln.de: Alles zum Straßenfest in Ehrenfeld 2026
- festivalsindeutschland.de: Straßenfest Ehrenfeld 2026
- t-online: Gratis-Konzert von Blumengarten in Köln verboten und abgesagt
- Mit Vergnügen Köln: 11 Straßenfeste in Köln, die ihr nicht verpassen solltet




