Wassernebel am Rudolfplatz: Kölns Kühlaktion geht weiter
Am 29. Juli sprühte die Stadt Köln vier Stunden lang Wassernebel über den Rudolfplatz. „Cooling Cologne“ läuft seit 2022 mit der RheinEnergie.
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Die Stadt Köln hat am Mittwoch, 29. Juli, von 13 bis 17 Uhr erneut Wassernebel über den Rudolfplatz sprühen lassen. Das hatte die Verwaltung am Vortag angekündigt. Der Einsatz gehört zum Projekt „Cooling Cologne“, das die Stadt gemeinsam mit der RheinEnergie betreibt. Ziel ist nach Angaben der Verwaltung, besonders hitzebelastete Bereiche gezielt abzukühlen, damit sich Menschen dort erfrischen können. Die Nutzung ist kostenlos. Es war nicht der erste Einsatz in diesem Sommer: Am 25. und 26. Juni waren die Schläuche bereits am selben Ort in Betrieb.
Die Technik dahinter ist unspektakulär. Zum Einsatz kommen modulare Schläuche von 20 Metern Länge mit jeweils 75 Düsen, die an Hydranten der RheinEnergie angeschlossen werden. Sie geben einen feinen Nebel ab, der beim Verdunsten der Umgebungsluft Wärme entzieht und die Temperatur spürbar senkt. Der Wasserverbrauch liegt nach Angaben des Versorgers bei 16 Kubikmetern pro Stunde. Zum Vergleich: An heißen Tagen werden in Köln insgesamt mehr als 300.000 Kubikmeter Wasser verbraucht.
Der Deutsche Wetterdienst entscheidet mit, wann gesprüht wird
Die Schläuche laufen nicht auf Zuruf. Nach Darstellung der Stadt konzentriert sich der Einsatz auf Tage, an denen der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung herausgibt – also dann, wenn die Meteorologen eine starke Wärmebelastung über mindestens zwei Tage vorhersagen und keine ausreichende nächtliche Abkühlung erwarten. Dieses Kriterium ist der eigentliche Kern des Konzepts: Nicht die Tageshöchsttemperatur allein ist gesundheitlich entscheidend, sondern die fehlende Erholung in der Nacht. Wer bei 22 Grad Innentemperatur nicht schlafen kann, geht am Folgetag mit größerer Belastung in die Hitze.
Aus dieser Logik folgt, dass „Cooling Cologne“ kein Dauerbetrieb ist, sondern ein Instrument für einzelne Spitzentage. William Wolfgramm, Beigeordneter für Klima, Umwelt, Grün und Liegenschaften, begründet das Vorgehen mit der Wirkung auf den Platz selbst: „Die Kühlung vor Ort sorgt dafür, dass die Hitzebelastung auf Plätzen verringert wird.“ Der Anspruch ist damit bewusst eng gefasst. Es geht um den Aufenthalt im Freien an einem konkreten Nachmittag, nicht um das Mikroklima eines Stadtteils über die Saison.
Vor Ort wird der Betrieb nach Angaben der Stadt von einem Sicherheits- und Hygienekonzept begleitet. Das ist bei Wasservernebelung im öffentlichen Raum kein Formalismus: Stehendes Wasser in Leitungen kann bei hohen Temperaturen ein Milieu für Keime bilden, weshalb Systeme dieser Art gespült und überwacht werden müssen. Nach Darstellung der RheinEnergie handelt es sich um hygienisch einwandfreies Trinkwasser, das vollständig in den Wasserkreislauf zurückkehrt. Zusätzlich informiert die Stadt an den Einsatzorten über den Umgang mit Hitze und über Folgen des Klimawandels.
Die Nebelschläuche sind dabei nur ein Teil dessen, was Stadt und Versorger an heißen Tagen bereitstellen. In den warmen Monaten betreiben beide gemeinsam 16 Trinkwasserbrunnen im Stadtgebiet, an denen sich Flaschen kostenlos auffüllen lassen. Verteilt sind sie ungleich: Sechs stehen in der Innenstadt, je zwei in Chorweiler und Nippes, je einer in Ehrenfeld, Kalk, Lindenthal, Mülheim, Porz und Rodenkirchen. Wer in den äußeren Bezirken unterwegs ist, hat damit deutlich weitere Wege zum nächsten Brunnen als jemand in der City.
Seit 2022 an wechselnden Orten im Einsatz
Begonnen hat das Projekt 2022. Seither waren die Sprühschläuche nach Angaben der Beteiligten unter anderem im Rheingarten am Jugendtagsweg, auf dem Severinskirchplatz, auf dem Chlodwigplatz und am Rudolfplatz im Einsatz. Die Auswahl folgt einer Logik: Es sind versiegelte, stark frequentierte Plätze mit wenig Schatten, an denen sich die Hitze staut und an denen zugleich viele Menschen vorbeikommen. Der Rudolfplatz ist dabei der Extremfall – ein Verkehrsknoten mit Stadtbahnhaltestelle, breiten Fahrbahnen und einem hohen Anteil an Asphalt- und Steinflächen.
Für Kölnerinnen und Kölner heißt das sehr konkret: Der Nebel steht dort, wo ohnehin gewartet wird. Am Rudolfplatz kreuzen sich Stadtbahnlinien und Buslinien, an der Oberfläche liegen die Zugänge zur Haltestelle, ringsum reihen sich Gastronomie und Geschäfte. Wer zwischen zwei Terminen ein paar Minuten in der Sonne steht, kommt an den Schläuchen vorbei, ohne einen Umweg zu machen. Genau darauf zielt die Auswahl der Standorte – erreicht wird, wer sowieso da ist, nicht, wer eigens hinfährt.
Genau darin liegt aber auch die Begrenzung des Verfahrens. Ein Sprühschlauch kühlt einen Radius von wenigen Metern für die Dauer seines Betriebs. Er verändert weder den Versiegelungsgrad eines Platzes noch das Kronendach, das an solchen Orten in Köln vielerorts fehlt. Fachlich gilt Verschattung durch Bäume als die wirksamste und dauerhafteste Maßnahme gegen städtische Hitze; Nebelanlagen sind eine Ergänzung für Spitzentage, kein Ersatz für Stadtumbau. Die Stadt selbst ordnet „Cooling Cologne“ ausdrücklich als Baustein ihrer Klimaanpassung ein.
Wasserverbrauch in einem trockenen Sommer
Naheliegend ist in diesem Sommer der Einwand, ob eine Stadt bei anhaltender Trockenheit Trinkwasser vernebeln sollte. Die RheinEnergie hält dagegen, dass die Kölner Bucht über reichhaltige Grundwasservorkommen verfüge und auch mehrere niederschlagsarme Jahre die Versorgungssicherheit nicht gefährdeten. Rechnerisch stützt der Versorger das mit dem Mengenverhältnis: 16 Kubikmeter je Stunde stehen mehr als 300.000 Kubikmetern Tagesverbrauch gegenüber. Ein vierstündiger Einsatz wie der am Mittwoch entspricht damit rund 64 Kubikmetern – etwa einem Fünftausendstel dessen, was Köln an einem heißen Tag verbraucht.
Der Wasserchef der RheinEnergie, Carsten Schmidt, verweist dabei auf die geologische Lage der Stadt: „Zudem verfügen wir in der Kölner Bucht glücklicherweise über sehr große Grundwasservorkommen.“ Das ist keine Nebenbemerkung, sondern das tragende Argument des Versorgers. Köln bezieht sein Trinkwasser aus dem Grundwasser der Bucht, nicht aus einer Talsperre, deren Füllstand sich nach einem trockenen Frühjahr direkt in Verbrauchsbeschränkungen übersetzt. Wie belastbar diese Reserve unter mehreren aufeinanderfolgenden Dürrejahren bleibt, geht aus den vorliegenden Angaben allerdings nicht hervor.
Der Einwand verschwindet damit nicht ganz. Er zielt weniger auf die Menge als auf die Signalwirkung: Wer in Wochen mit niedrigen Rheinpegeln öffentlich Wasser versprüht, muss erklären, warum das vertretbar ist. Die Stadt tut das mit dem Gesundheitsargument. Hitze gehört in Deutschland zu den unterschätzten Gesundheitsrisiken; betroffen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke und Wohnungslose – also genau die Gruppen, die sich an heißen Nachmittagen nicht in kühle Innenräume zurückziehen können.
Der Hitzeaktionsplan kam aus einem Forschungsprojekt
Die Nebelschläuche stehen nicht für sich. Sie gehören zum Hitzeaktionsplan der Stadt, der aus einem Forschungsprojekt hervorgegangen ist und anschließend in den Regelbetrieb der Verwaltung überführt wurde; einen Jahresbericht dazu hat die Stadt für 2023 vorgelegt. Der Plan bündelt, was in einer Hitzelage aus verschiedenen Ämtern zusammenlaufen muss – Gesundheit, Umwelt, Grün, Soziales. Der Vorteil dieser Konstruktion ist banal und wichtig zugleich: Zuständigkeiten müssen nicht bei jeder Hitzewelle neu geklärt werden.
Zu den Bausteinen gehören ein Hitzetelefon und ein Hitzeregister beim Gesundheitsamt, über die sich besonders gefährdete Menschen erreichen lassen. Dazu kommen Verhaltenshinweise, die die Stadt unter dem Titel „Hitzeknigge“ veröffentlicht, Informationen zu UV-Belastung und Material für Beschäftigte in sozialen und pflegerischen Berufen. Gebündelt sind diese Angebote im Hitzeportal der Stadt, auf das auch die Pressemitteilung zum Einsatz am Rudolfplatz verweist.
Ein weiterer Baustein ist eine interaktive Karte kühler Orte, die die Stadt nicht allein füllt: Bürgerinnen und Bürger können eigene Vorschläge mit Foto und Beschreibung eintragen. Verzeichnet sind sowohl Orte im Freien – schattige Bänke, Parkflächen, Abschnitte des Grüngürtels – als auch Innenräume wie Kirchen, Museen und Bibliotheken, die an heißen Tagen spürbar kühler bleiben. Die Sammlung lebt davon, dass sie lokales Wissen abbildet, das in keiner Verwaltungsdatei steht.
Die Prognosen für Köln sind eindeutig
Die Klimasimulationen, mit denen die Stadt arbeitet, erwarten für Köln künftig 60 bis 70 Tage im Jahr mit Temperaturen über 25 Grad und 20 bis 30 Tropennächte, in denen die Temperatur nicht unter 20 Grad sinkt. In dicht bebauten Vierteln entstehen dabei ausgeprägte Wärmeinseln, in denen es nachts mehrere Grad wärmer bleibt als im Umland. Für die Verwaltung heißt das, dass Maßnahmen wie die Nebelschläuche nicht als Sommerkuriosität, sondern als Vorstufe eines dauerhaften Angebots zu verstehen sind.
Damit verschiebt sich auch der Maßstab, an dem das Projekt zu messen ist. Vier Standorte in vier Jahren sind für eine Stadt mit neun Stadtbezirken eine schmale Basis, und die bisher bespielten Plätze liegen sämtlich in der Innenstadt oder im angrenzenden Süden. Ob die rechtsrheinischen Bezirke oder die dicht bebauten Quartiere in Ehrenfeld und Kalk einbezogen werden, ist aus den veröffentlichten Angaben nicht ersichtlich. Eine Begründung für die bisherige Standortwahl über die Hitzebelastung hinaus nennt die Stadt nicht.
Ein fester Kalender für weitere Einsätze fehlt
Ein fester Kalender für weitere Einsätze existiert nicht; die Stadt entscheidet nach Wetterlage und kündigt die Termine kurzfristig an. Die Ankündigung für den 29. Juli erschien einen Tag vorher. Technische Angaben zum Projekt hat die RheinEnergie veröffentlicht. Wer den nächsten Einsatz mitnehmen will, ist damit auf die kurzfristigen Mitteilungen der Verwaltung angewiesen – eine Vorplanung von mehreren Tagen ist nicht vorgesehen.
Offen bleibt eine Reihe von Fragen. Wie oft die Schläuche im laufenden Sommer noch laufen, hängt allein an den Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes. Ob die Zahl der Standorte über die bisherigen vier hinaus erweitert wird, ist nicht entschieden; die Entscheidung darüber liegt bei der Verwaltung im Rahmen ihres Klimaanpassungskonzepts. Auch Angaben dazu, wie viele Menschen die Anlagen bisher genutzt haben und was ein Einsatztag kostet, liegen nicht vor. Der nächste Termin steht damit unter Wettervorbehalt.




