Colonius: 60 Millionen Euro fehlen für Turmkorb und Aussicht
Seit 1999 sind Drehrestaurant und Aussichtsplattform geschlossen. Die DFMG hat eine Machbarkeitsstudie vorgelegt und beziffert die Sanierung auf 60 Millionen Euro – Bund, Land und Stadt zahlen bisher nicht.
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Über eine Wiedereröffnung des Kölner Fernsehturms wird wieder verhandelt: Am 5. März 2026 wurde bekannt, dass die Betreiberin DFMG Deutsche Funkturm GmbH Gespräche mit einem Interessenten führt, der Drehrestaurant und Aussichtsplattform des Colonius wieder für die Öffentlichkeit betreiben will. Beide Etagen sind seit 1999 geschlossen. Die DFMG beziffert die Kosten einer Sanierung auf rund 60 Millionen Euro. Der Knackpunkt liegt nicht am Interessenten, sondern an der Finanzierung: Stadt, Land und Bund haben sich bislang nicht auf eine Co-Finanzierung festgelegt.
Der Colonius ist 266 Meter hoch und damit der höchste Fernsehturm in Nordrhein-Westfalen. Das Drehrestaurant liegt auf 166 Metern, die Aussichtsplattform auf 170 Metern, verteilt auf zwei Etagen. Seit der Schließung sind beide Ebenen entkernt. Sie erfüllen die heutigen Sicherheitsanforderungen für eine Versammlungsstätte nicht mehr – und eine Versammlungsstätte wären sie, sobald wieder Gäste hinauffahren. Der Turm selbst ist davon nicht betroffen; er erfüllt alle nötigen Anforderungen.
Die Höhenangabe lohnt einen Vergleich. Mit seinen 266 Metern überragt der Colonius den Düsseldorfer Rheinturm um 25 Meter, und in der bundesweiten Rangliste steht er nach Angaben der DFMG an siebter Stelle der deutschen Fernsehtürme. Über den Publikumsebenen liegt auf 179 Metern eine Dachebene, darüber folgen zwei Antennenplattformen und die technischen Geschosse in der Turmkrone. Der Teil, um den seit Jahren gestritten wird, ist also nur ein Ausschnitt aus einem Bauwerk, das ansonsten rund um die Uhr in Betrieb ist.
Das ist die entscheidende Unterscheidung in diesem Vorgang. Ein Fernsehturm, der Signale sendet, ist ein technisches Bauwerk mit Wartungspersonal. Ein Fernsehturm, auf dem Menschen essen und über die Stadt schauen, ist ein Ort mit Fluchtwegen, Rauchabzügen, Brandmeldeanlagen und Kapazitätsgrenzen. Der Colonius arbeitet seit 27 Jahren ausschließlich in der ersten Rolle. Die 60 Millionen Euro, die die DFMG nennt, sind vor allem der Preis dafür, ihn wieder in die zweite zu versetzen.
Der Brandschutz ist der teuerste Posten
Den größten Anteil an der Summe hat nach Angaben der DFMG die Erneuerung des Brandschutzes. Betroffen sind aber nicht nur die beiden Kanzelebenen. Auch die unterirdischen Lager-, Kühl- und Verwaltungsräume am Turmfuß müssten saniert werden, damit oben wieder ein gastronomischer Betrieb möglich wäre. Hinzu kommen die beiden Personenaufzüge, die seit Ende der 1990er Jahre nicht mehr für Fahrgäste laufen und wieder instand gesetzt werden müssten. Eine Machbarkeitsstudie dazu hat die DFMG bereits vorgelegt.
„In Köln haben wir eine Machbarkeitsstudie vorgelegt, jedoch konnten sich die Stadt, das Land und der Bund noch nicht auf eine Co-Finanzierung festlegen.“
Sprecher der DFMG Deutsche Funkturm GmbH, Betreiberin des Colonius
Im Gespräch ist eine Aufteilung, bei der der Bund 30 Millionen Euro übernähme und das Land Nordrhein-Westfalen sowie die Stadt Köln je 15 Millionen Euro beisteuerten. Festgelegt hat sich darauf bislang keine der drei Ebenen. Damit steht ein Vorhaben im Raum, das rechnerisch durchgerechnet ist und trotzdem nicht beginnen kann. Für die Stadt Köln ginge es um einen Betrag, über den der Rat entscheiden müsste; ein entsprechender Beschluss liegt nicht vor.
Die DFMG lässt keinen Zweifel daran, worauf sie wartet. Die Betreiberin hat geliefert, was ein Unternehmen in dieser Lage liefern kann: eine Kostenschätzung, eine Machbarkeitsstudie und einen Interessenten. Was fehlt, sind drei Zusagen. In dem Bericht vom 5. März 2026 formuliert ihr Sprecher das ohne Umschweife.
„Klar ist aber auch, dass es hier ohne Commitment der Stadt, des Landes und des Bundes nicht weitergehen kann.“
Sprecher der DFMG Deutsche Funkturm GmbH, Betreiberin des Colonius
„Alle Beteiligten brauchen Klarheit über die Rahmenbedingungen – und die gibt es in Köln leider noch nicht.“
Sprecher der DFMG Deutsche Funkturm GmbH, Betreiberin des Colonius
Seit 2022 steht der Turm unter Denkmalschutz
Ein zweiter Faktor kommt hinzu. Seit 2022 steht der Colonius unter Denkmalschutz. Das erschwert Umbauarbeiten, weil jede Veränderung an einem eingetragenen Denkmal mit den Denkmalbehörden abzustimmen ist. Für ein Bauwerk, dessen Publikumsebenen komplett neu ausgestattet werden müssen, ist das keine Formalie. Der Denkmalschutz schützt hier ausgerechnet jene Substanz, die den heutigen Sicherheitsvorschriften nicht mehr genügt.
Denkmalschutz für ein Bauwerk aus dem Jahr 1981 ist nicht selbstverständlich. Zum 40. Geburtstag des Turms war die denkmalrechtliche Prüfung noch im Gang; ein Jahr später, 41 Jahre nach der Eröffnung, war der Colonius eingetragen. Für die Stadt bedeutet das eine Aufwertung: Der Turm ist nicht mehr nur Technik, sondern anerkannte Baugeschichte. Für die Sanierungsplanung bedeutet es eine zusätzliche Schleife, weil Brandschutz und Denkmalpflege in jedem Detail miteinander abgeglichen werden müssen.
Eine Stellungnahme der Stadt Köln, des Landes Nordrhein-Westfalen oder des Bundes enthält der Bericht vom 5. März 2026 nicht. Warum sich die drei Ebenen bislang nicht auf eine Aufteilung festgelegt haben, ist öffentlich also nicht begründet. Bekannt ist allein die Größenordnung, um die es geht, und der Umstand, dass die Machbarkeitsstudie vorliegt. Wer den nächsten Schritt macht, entscheiden damit nicht die DFMG und nicht der Interessent, sondern drei politische Ebenen, die sich bisher nicht geäußert haben.
Gebaut in gut drei Jahren, geschlossen seit 27
Es lohnt der Blick zurück auf die Bauzeit. Der Baubeginn war am 26. Januar 1978, der Grundstein wurde am 13. April 1978 gelegt, eröffnet wurde der Turm am 3. Juni 1981. Rund drei Jahre hat der Bau gedauert. Das Fundament ist 35 Meter breit und reicht mehr als zehn Meter in die Tiefe. Ein Turm dieser Größe entstand also in kürzerer Zeit, als die Debatte über seine Wiedereröffnung inzwischen andauert.
Auch die Höhe hat eine Geschichte. Ursprünglich maß der Colonius 253 Meter. Erst nach dem Austausch der Antenne im Jahr 2004 kam er auf die heutigen 266 Meter. Der Turm ist damit im Lauf seines Betriebs um 13 Meter gewachsen, ohne dass an seinem Schaft gebaut worden wäre. Zwei Personenaufzüge führen in den Turmkorb – gebaut für Fahrgäste, seit Ende der 1990er Jahre Sache der Technik.
In den ersten Betriebsjahren war der Colonius mehr als eine Aussichtsplattform. Bis 1993 gab es im Turm eine Diskothek. Das Drehrestaurant auf 166 Metern gehörte zum Repertoire der Stadt wie der Rheinpark oder die Seilbahn: ein Ort, an den man Besuch mitnahm. Mit der Schließung 1999 verschwand diese Adresse aus dem Kölner Angebot, ohne dass ein Ersatz in vergleichbarer Höhe entstanden wäre. Wer heute über Köln schauen will, steigt auf den Dom.
Seither steht der Turmkorb leer. Entkernt heißt in diesem Fall: Küche, Technik und Innenausbau sind entfernt, die Rohbausubstanz steht. Wer eine Wiedereröffnung will, baut nicht um, sondern neu ein – innerhalb einer denkmalgeschützten Hülle, in 166 und 170 Metern Höhe, erreichbar über zwei Aufzüge, die selbst erst wieder hergerichtet werden müssen. Dass eine solche Baustelle teuer wird, ist keine Überraschung. Ob 60 Millionen Euro reichen, lässt sich vor der Detailplanung nicht sagen.
Im Stadtbild ist der Turm dabei allgegenwärtig geblieben. Wer aus Richtung Westen auf Köln zufährt, sieht zwei Marken über den Dächern: den Dom und den Colonius. Von der Inneren Kanalstraße aus verschwindet der Schaft hinter Wohnhäusern und taucht Straßen weiter wieder auf. Genau diese Sichtbarkeit ist der Grund, warum die Frage nach dem Turmkorb in Köln alle paar Jahre wiederkehrt: Man sieht das Bauwerk täglich und kann es seit 1999 nicht betreten.
Auch in Jahren gerechnet ist die Schließung bemerkenswert. Wer 1999 zur Welt kam, ist heute 27 Jahre alt und hat das Drehrestaurant nie von innen gesehen. Der Turm war zum Zeitpunkt der Schließung 18 Jahre in Betrieb – die Publikumsebenen sind damit deutlich länger zu, als sie je offen waren. Die Diskothek im Turm gab es sogar nur bis 1993, sie ist seit 33 Jahren Geschichte.
Dass das Interesse an den beiden Etagen nicht erloschen ist, hat die DFMG selbst erfahren. Zum 40. Geburtstag des Turms verloste sie ab dem 7. Juni 2021 über ihre Kanäle 40 exklusive Besucherplätze. Im März 2025 wurde im Colonius für einen Tatort gedreht. Beide Male war der Turm für kurze Zeit wieder ein Ort, an dem Menschen oben standen. Regulär zugänglich war er seit 1999 an keinem einzigen Tag.
Der Turm arbeitet, nur eben ohne Publikum
Vergessen ist der Colonius deshalb nicht. Er verteilt digitales Fernsehen über DVB-T2, analoges und digitales Radio über UKW und DAB+, dazu Richtfunk, Behördenfunk und das Funknetz der Kölner Verkehrsbetriebe. Hinzu kommen mobiles Internet und Mobilfunk einschließlich 5G für weite Teile der Stadt. Nach Darstellung der DFMG ist der Turm damit Teil der modernen Mobilfunkinfrastruktur. Die 266 Meter über Neustadt-Nord arbeiten also durchgehend – nur eben ohne Publikum.
Als Vorbilder für eine Wiedereröffnung gelten die Fernsehtürme in Dresden und Hamburg, auf die die DFMG selbst verweist. In beiden Städten sind Publikumsebenen wieder in Betrieb genommen worden. Kosten und genaue Jahreszahlen dieser Projekte nennt die Betreiberin in dem Bericht nicht. Der Vergleich hat ohnehin eine Voraussetzung, die in Köln bislang fehlt: eine belastbare Zusage der öffentlichen Hand. Ohne sie bleibt die Machbarkeitsstudie ein Papier.
Auch die Frage, was aus dem Colonius würde, wenn nichts geschieht, lässt sich beantworten. Der Sendebetrieb liefe unabhängig davon weiter; für die technische Nutzung braucht es weder Restaurant noch Plattform. Die beiden Etagen blieben dann, was sie seit 27 Jahren sind: leerstehende Geschosse in 166 und 170 Metern Höhe. Ein Abriss steht nicht zur Debatte – schon weil der Turm seit 2022 Denkmal ist.
Was offen ist, lässt sich genau benennen. Es gibt einen Interessenten, aber keinen Vertrag; der Interessent ist bis heute nicht mit Namen genannt worden. Es gibt eine Kostenschätzung, aber keinen Kostenträger. Es gibt eine im Gespräch befindliche Aufteilung von 30 Millionen Euro durch den Bund und je 15 Millionen Euro durch Land und Stadt, aber keine Festlegung. Und es gibt einen Denkmalschutz, der jede Planung zusätzlich verlängern wird.
Für die Stadt Köln wäre die Sache nicht nur eine Ausgabe, sondern auch eine Rechnung mit Gegenposten. Ein wiedereröffneter Turmkorb wäre ein Ziel für Gäste, ein Betrieb mit Personal und ein Ort, den Kölnerinnen und Kölner selbst wieder nutzen könnten. Belastbare Prognosen dazu, wie viele Menschen kämen und was ein Betrieb einbringen würde, liegen öffentlich nicht vor. Auch einen Zeitplan für eine mögliche Wiedereröffnung hat die DFMG nicht genannt.
Einen nächsten Termin im Verfahren gibt es damit nicht. Die DFMG hat ihre Machbarkeitsstudie vorgelegt; der nächste Schritt liegt bei Bund, Land und Stadt, und keine der drei Ebenen hat sich bislang festgelegt. Solange das so bleibt, dreht sich auf 166 Metern nichts.




