Mittwoch, 12. August 2026 Ausgabe Nr. 241
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Baustellen in den Veedeln

Hohe Straße drei Tage dicht, Chorweiler wird nachgebessert

Auf der Hohen Straße wird ab Mittwoch das Pflaster repariert, in Chorweiler laufen zwei Wochen Nachbesserungen an einer frischen Sanierung. Und der Verkehrskalender der Stadt listet mehr als 120 weitere Baustellen.

David Odenthal, Redakteur — KI-generiertes Porträt
David Odenthal
Clubs & Nachtleben

Lesezeit 5 Min.
Bauarbeiter hinter Absperrgittern bei Pflasterarbeiten in einer engen Kölner Fußgängerzone
Vom 12. bis 14. August lässt die Stadt zwischen Burghöfchen und Pipinstraße Schäden im Pflaster beheben — der Abschnitt wird voll gesperrt. · Symbolbild (KI-generiert)

Freitag, 16.45 Uhr. Das Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt verschickt seine Baustellenmeldung, kurz bevor sich die Verwaltung ins Wochenende verabschiedet. „Baustellen in den Stadtteilen" heißt das Format, es erscheint in loser Folge, immer dann, wenn irgendwo im Stadtgebiet die Absperrgitter umgestellt werden. Diesmal, am 7. August, trifft es zwei sehr unterschiedliche Ecken der Stadt: die Hohe Straße und Chorweiler. Unter der Meldung steht der Name Robert Baumanns, Amt für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Ab Mittwoch, 12. August, wird auf der Hohen Straße gearbeitet. Zwischen Burghöfchen und Pipinstraße, am südlichen Ende der Einkaufsmeile, lässt die Stadt Schäden im Pflaster beheben. Bis Freitag, 14. August, sollen die Arbeiten laufen — der Abschnitt wird dafür komplett gesperrt.

Drei Tage klingen nach Routine. Die Folgen reichen aber weiter: Der Autoverkehr wird großräumig über die Große Sandkaul umgeleitet, einschließlich der Ausfahrten aus den Parkhäusern. Wer in diesen Tagen dort einparkt, kommt anders wieder heraus als sonst.

Die „gepflasterte Straße" bekommt neues Pflaster

Die Pointe liefert die Geschichte gratis mit. Die Hohe Straße folgt dem Verlauf des Cardo maximus, der Nord-Süd-Achse des römischen Köln, und hieß in der Antike Strata lapidea — übersetzt: die gepflasterte Straße. Knapp 2.000 Jahre später rücken nun wieder die Pflasterer an. Es ist, wenn man so will, die älteste Daueraufgabe dieser Straße.

683 Meter misst sie heute, zwischen Wallrafplatz und Hohe Pforte. Bereits 1948 wurde die Hohe Straße als eine der ersten Geschäftsstraßen Deutschlands für den Autoverkehr gesperrt, seit dem 29. September 1967 ist sie offiziell Fußgängerzone. Der Rang ist geblieben: 2023 lag sie auf Platz acht der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands.

Nahaufnahme von beschädigtem Pflaster und gestapelten neuen Pflastersteinen auf einer Palette
683 Meter misst die Hohe Straße — 2023 lag sie auf Platz acht der meistfrequentierten Einkaufsstraßen Deutschlands. · Symbolbild (KI-generiert)

Rund 90 Ladenlokale reihen sich auf dem guten halben Kilometer aneinander. Die Warenhäuser darunter kommen zusammen auf mehr als 40.000 Quadratmeter Verkaufsfläche, fast jedes dritte Geschäft hat mehr als 500 Quadratmeter. Anders gesagt: Die Straße, die jetzt drei Tage lang Baustelle ist, gehört zum kommerziellen Kernbestand der Stadt — von den mittelalterlichen Handwerksbetrieben über die Passagen der Gründerzeit bis zu den Filialisten von heute hat sich hier immer der Handel gehalten, nur die Fassaden wechselten.

Was die Mitteilung offenlässt: ob und wie Fußgänger während der Arbeiten am Baufeld vorbeikommen. Geregelt wird ausdrücklich nur der Autoverkehr. Für eine Fußgängerzone mit Spitzenfrequenz ist das eine bemerkenswerte Leerstelle — wer dort einkauft, wird es ab Mittwoch selbst herausfinden.

In Chorweiler wird repariert, was gerade erst saniert wurde

Ortswechsel in den Kölner Norden. Seit Montag, 10. August, wird am Knoten Weichselring/Merianstraße/Athener Ring gearbeitet, bis zum 23. August sollen die Arbeiten dauern. Es geht um Nachbesserungen an Gehwegen und Verkehrsinseln — also um Korrekturen an einer Sanierung, die dort bereits gelaufen ist.

Einzelne Fahrspuren werden als Arbeitsfläche gesperrt. Auch Fuß- und Radüberwege sind zeitweise dicht, Umleitungen sind ausgeschildert. Wer die Kreuzung im Alltag nutzt, kennt das Bild.

Eine Frage lässt die Mitteilung offen: warum überhaupt nachgebessert werden muss — und wer dafür bezahlt. Ob die Arbeiten auf Gewährleistung laufen, die ausführenden Firmen also selbst nachlegen müssen, oder ob die Stadt erneut in die eigene Kasse greift, steht in der Meldung nicht. Zwei Wochen Bauzeit für Gehwege und Verkehrsinseln sind jedenfalls kein Pappenstiel.

Die Vorgeschichte reicht vier Jahre zurück. Im September 2022 begann die Stadt mit der Sanierung des Weichselrings zwischen Merianstraße und Elbeallee: Fahrbahn und Gehwege wurden erneuert, der Radweg auf die Fahrbahn verlegt, dazu kamen vier neue Querungshilfen, barrierefreie Bushaltestellen und neu geordnetes Parken. Angesetzt waren rund 14 Monate Bauzeit in zehn Abschnitten. Gearbeitet wurde mit einer wandernden Baustelle, an der der Verkehr per Ampel vorbeigeführt wurde; zeitweise lief der Weichselring nur als Einbahnstraße Richtung Mercatorstraße, die Gegenrichtung wurde über die Elbeallee geschickt. Die Anwohner bekamen vor dem Start Infomaterial in die Briefkästen.

Seitdem reißt die Kette nicht ab. Im Frühjahr 2025 wurde am selben Knoten die Ampelanlage instand gesetzt, die Merianstraße war dafür zwei Wochen lang wechselseitig eingeengt, Linksabbiegespuren waren zeitweise dicht. Ende Mai 2026 folgte die Betonsanierung der Kulturbrücke am Athener Ring — der Ring war dafür rund einen Monat von der Florenzer Straße bis zum Kreisverkehr gesperrt, angesetzt waren sechs Wochen. Und jetzt eben die Nachbesserungen an der frischen Sanierung. Wer am Weichselring wohnt, kennt den Rhythmus inzwischen auswendig.

Große Kreuzung mit Verkehrsinsel und Absperrbaken vor Hochhäusern in Köln-Chorweiler
Am Knoten Weichselring/Merianstraße/Athener Ring wird bis zum 23. August an Gehwegen und Verkehrsinseln nachgebessert. · Symbolbild (KI-generiert)

Man kann das als Pech lesen. Oder als Normalzustand einer Infrastruktur, die in den Siebzigern am Reißbrett entstand und jetzt im Bestand ertüchtigt wird — Stück für Stück, Sommer für Sommer.

Der Kontrast zur Innenstadt ist dabei aufschlussreich. Auf der Hohen Straße, im Herzstück des Kölner Handels, sind drei Tage Bauzeit angesetzt, umgeleitet wird der Autoverkehr eines ganzen Quartiers. In Chorweiler dauern die Arbeiten zwei Wochen, betroffen sind vor allem die, die zu Fuß oder mit dem Rad über die Kreuzung müssen. Beides steht in derselben Pressemitteilung, gleichberechtigt untereinander. Das Format macht keinen Unterschied zwischen Lagen — der Alltag der Betroffenen schon.

Mehr als 120 Baustellen stehen im Verkehrskalender

Die zwei Veedel-Meldungen sind ohnehin nur die Spitze. Der Verkehrskalender der Stadt — eine Online-Übersicht, die neben Baustellen auch Messen und Großveranstaltungen listet und sich nach Datum, Zeitraum und Stadtteil durchsuchen lässt — führt aktuell mehr als 120 Straßenbaustellen im Stadtgebiet auf. Die genaue Zahl schwankt von Tag zu Tag, je nachdem, welche Baustelle gerade eingerichtet oder geräumt wird — konstant bleibt nur, dass es viele sind.

Allein die Aachener Straße taucht darin dreimal auf, mit drei Abschnitten in drei Stadtteilen, alle auf derselben West-Achse:

  • Braunsfeld: 10. bis 14. August
  • Junkersdorf: 28. Juli bis 14. August, gearbeitet wird täglich zwischen 9 und 15 Uhr
  • Weiden: seit dem 8. April, angesetzt bis zum 31. August

Der Abschnitt in Weiden ist dabei der Langläufer der drei: fast fünf Monate Bauzeit, quer durch Frühjahr und Sommer. Braunsfeld kommt mit einer knappen Woche aus, Junkersdorf arbeitet nur tagsüber zwischen den Verkehrsspitzen — die Zeitfenster von 9 bis 15 Uhr sind erkennbar so gelegt, dass Berufsverkehr und Schülerströme möglichst wenig davon mitbekommen.

Dass sich die Arbeiten im August ballen, ist Methode. Schon im vergangenen Sommer begründete die Stadt ihre Ferienbaustellen damit, dass Umbauten und Sanierungen in der Ferienzeit in aller Regel schneller abgeschlossen werden — und dass Verkehrsteilnehmer, Anwohner und Anlieger weniger belastet würden. Weniger Pendler, weniger Schulverkehr, mehr Spielraum für Sperrungen. Die Logik gilt in diesem Jahr genauso.

Sommerliche Straßenbaustelle mit Baken und aufgerissener Fahrbahn auf einer Ausfallstraße
Drei Abschnitte der Aachener Straße stehen derzeit im Verkehrskalender — in Braunsfeld, Junkersdorf und Weiden. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Freitagsmeldung ist dabei Teil einer Serie, die sich durchs ganze Jahr zieht. Im März meldete das Format Fahrspursperrungen an der Zoobrücke für Materialuntersuchungen, den barrierefreien Ausbau einer Bushaltestelle in Merheim und neu geordnetes Parken an der Maybachstraße. Im Mai folgten die Bonner Straße, wo für die dritte Baustufe der Nord-Süd-Stadtbahn Gleisbordoberteile eingebaut werden, und eine Betonuntersuchung im Gulliver-Tunnel. Wer die Mitteilungen nebeneinanderlegt, bekommt ein ziemlich genaues Bild davon, woran diese Stadt gerade arbeitet: an sich selbst.

Bleibt das Bild dieser Augustwoche. Freitagnachmittag die Pressemitteilung, Montagmorgen die Bagger in Chorweiler, Mittwoch die Absperrgitter auf der Hohen Straße. Die Stadt flickt sich durch den Sommer, Abschnitt für Abschnitt, Veedel für Veedel. Auf der Hohen Straße ist nach drei Tagen Schluss. In Chorweiler zählt man lieber nicht mehr mit.

Quellen und Weiterlesen
David Odenthal, Redakteur — KI-generiertes Porträt
David Odenthal
Redakteur · Clubs & Nachtleben
Kennt jede Kellertür in Ehrenfeld. Schreibt über Clubkultur, Kollektive und die Nacht als Wirtschafts- und Kulturraum. Legt gelegentlich selbst auf — angeblich nur privat.
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