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Arbeitsmarkt

56.616 Arbeitslose in Köln: Die Quote steigt im Juli auf 9,0 Prozent

Die Arbeitslosigkeit in Köln stieg im Juli um 913 auf 56.616, die Quote auf 9,0 Prozent. Beim Ausbildungsmarkt ist der Rückgang deutlich größer.

Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Business & Unternehmen

Lesezeit 7 Min.
Verwaltungsgebäude aus Glas und Beton an einem bedeckten Sommermorgen
Die Agentur für Arbeit Köln legte ihre Monatszahlen am 31. Juli vor. · Symbolbild (KI-generiert)

In Köln waren im Juli 56.616 Menschen arbeitslos gemeldet, 913 mehr als im Juni: Die Arbeitslosenquote stieg damit von 8,9 auf 9,0 Prozent. Die Zahlen veröffentlichte die Agentur für Arbeit Köln am Freitag, 31. Juli. Im Vergleich zum Juli des Vorjahres fällt die Bilanz freundlicher aus: 953 Arbeitslose oder 1,7 Prozent weniger als vor zwölf Monaten, als die Quote bei 9,2 Prozent lag. Ein Anstieg zur Jahresmitte ist für sich genommen nichts Ungewöhnliches — Ausbildungs- und Zeitverträge laufen aus, Schulabgängerinnen und Schulabgänger melden sich, Betriebe stellen über die Ferien zurückhaltender ein. Bemerkenswert ist in diesem Juli nicht die Richtung, sondern die Zusammensetzung des Zuwachses.

Der gesamte Anstieg entstand im Versicherungsbereich, also bei jenen Arbeitslosen, die zuletzt sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren und deshalb im Rechtskreis des Arbeitslosengeldes betreut werden. Dort zählte die Agentur 19.158 Personen, 1.024 oder 5,6 Prozent mehr als im Juni und 1.277 oder 7,1 Prozent mehr als im Juli 2025. Im Jobcenter Köln, zuständig für die Grundsicherung, sank die Zahl dagegen auf 37.458 — 111 weniger als im Vormonat und 2.230 oder 5,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Anders gesagt: Der Sockel der länger andauernden Arbeitslosigkeit gibt langsam nach, während frisch entlassene Beschäftigte nachrücken. Genau diese Bewegung ist für einen Standort die unangenehmere von beiden, weil sie aus den Betrieben kommt und nicht aus der Statistik.

Leerer Wartebereich mit Stuhlreihen in einem deutschen Verwaltungsgebäude
Im Versicherungsbereich stieg die Zahl der Arbeitslosen um 1.024 Personen. · Symbolbild (KI-generiert)

Der Zuwachs kommt aus den Betrieben, nicht aus dem Jobcenter

Wie groß der Druck tatsächlich ist, zeigt die Unterbeschäftigung. Sie zählt zusätzlich jene Menschen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen teilnehmen, kurzfristig arbeitsunfähig sind oder aus anderen Gründen nicht als arbeitslos geführt werden. In Köln waren das im Juli 66.533 Personen, was einer Unterbeschäftigungsquote von 10,5 Prozent entspricht. Allein 9.489 Menschen befanden sich in Fördermaßnahmen; die gemeldete Arbeitslosigkeit macht 85,1 Prozent der Unterbeschäftigung aus. Im Jahresvergleich sank die Unterbeschäftigung um 588 Personen, im Monatsvergleich stieg sie um 587 — über zwölf Monate ein Nullsummenspiel.

Die Bewegungsdaten erklären den Monatswert genauer als der Bestand. Im Berichtsmonat meldeten sich 4.054 Menschen neu arbeitslos, 936 oder 30,0 Prozent mehr als im Juni, gegenüber dem Vorjahresjuli aber nur 42 mehr. Beendet wurde die Arbeitslosigkeit durch Aufnahme einer Beschäftigung in 2.875 Fällen, 201 mehr als im Vormonat. Auf drei Zugänge kamen also gut zwei Abgänge in den ersten Arbeitsmarkt — ein Verhältnis, das die Bestandszahl zwangsläufig nach oben trägt. Der Sommerausschlag selbst ist erwartbar; ungewöhnlich ist, dass er sich fast vollständig auf einen Rechtskreis konzentriert.

Am Bestand offener Stellen liegt es nicht. 44.069 Arbeitsstellen waren Ende Juli bei der Agentur gemeldet, davon 17.384 sozialversicherungspflichtig; seit Jahresbeginn gingen 48.514 Stellenmeldungen ein. Im Mai-Bericht waren es 43.939 beziehungsweise 17.231 gewesen — der Stellenpool ist also sogar leicht gewachsen, während die Arbeitslosigkeit zunahm. Die Agentur weist allerdings darauf hin, dass sich unter den Kölner Meldungen zahlreiche Positionen der Bundeswehr befinden, die deutschlandweit zu besetzen sind. Der lokal verfügbare Teil des Bestandes ist damit kleiner, als die Zahl 44.069 nahelegt.

Wer die Liste der am häufigsten gesuchten Berufsgruppen liest, sieht das Passungsproblem sofort. Vorn liegen Verkaufsberufe ohne Produktspezialisierung mit 626 sozialversicherungspflichtigen Stellen, dahinter Lagerwirtschaft, Post, Zustellung und Güterumschlag mit 601. Es folgen Büro und Sekretariat mit 259, Unternehmensorganisation und -strategie mit 225, Energietechnik mit 211 sowie Gesundheits- und Krankenpflege mit 185. Handel, Logistik, Pflege: Das ist die Nachfrageseite eines Dienstleistungsstandortes — und sie deckt sich nicht zwangsläufig mit den Qualifikationen derer, die im Juli neu dazugekommen sind.

„Die Entwicklung am Kölner Arbeitsmarkt ist insgesamt nicht gut. Sie wird durch die schwierige wirtschaftliche Situation und die Auswirkungen der Transformation beeinflusst. Passungsproblematiken zwischen Angebot und Nachfrage führen dazu, dass Menschen, die ihren Job verlieren, häufig nicht ohne Weiteres eine neue Beschäftigung in anderen Bereichen aufnehmen können.“

Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln

Der Blick über das Quartal relativiert die Aufregung um einen einzelnen Monat nur teilweise. Im Mai zählte die Agentur 56.038 Arbeitslose bei einer Quote von 8,9 Prozent, im Juni blieb die Quote bei 8,9 Prozent, im Juli sind es 9,0 Prozent. Die Bewegung innerhalb eines Vierteljahres beträgt weniger als 600 Personen — auf eine Stadt mit über einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern gerechnet ist das wenig. Auffällig ist eher, dass die im Frühjahr noch positive Jahreslinie flacher wird: Im Mai lag Köln 294 Arbeitslose unter dem Vorjahreswert, im Juli sind es 953.

Leere Lehrwerkstatt mit Werkbänken und Schraubstöcken bei Tageslicht
3.840 gemeldete Ausbildungsstellen: ein Viertel weniger als im Vorjahr. · Symbolbild (KI-generiert)

Die Beschäftigung schrumpft das zweite Quartal in Folge

Aussagekräftiger als der Monatswert ist die Beschäftigungsstatistik, die allerdings mit langem Nachlauf erscheint. Zum Stichtag 31. Dezember 2025 zählte die Agentur in Köln 629.652 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, 3.654 oder 0,6 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Im Quartal davor hatte das Minus 3.402 Stellen oder 0,5 Prozent betragen. Der Rückgang setzt sich also fort und beschleunigt sich leicht. Rund 3.650 verlorene Arbeitsplätze entsprechen der Belegschaft eines mittleren Kölner Großbetriebs — verteilt allerdings über Hunderte Häuser, weshalb der Vorgang öffentlich kaum sichtbar wird.

Die Branchenzahlen zeigen, wo der Verlust entsteht. Das Gesundheitswesen legte um 1.875 Beschäftigte oder 3,9 Prozent zu. Dagegen verlor der Bereich Immobilien sowie freiberufliche, wissenschaftliche und technische Dienstleistungen 5.484 Stellen, ein Minus von 5,9 Prozent. Damit trifft der Rückgang ausgerechnet jenen Sektor, der in Köln überdurchschnittlich viele gut bezahlte Bürotätigkeiten stellt: Beratung, Planung, Rechts- und Wirtschaftsdienstleistungen. Pflegekräfte werden gesucht, Projektmanagerinnen freigesetzt — beides zugleich erklärt, warum ein wachsender Stellenbestand und steigende Arbeitslosigkeit kein Widerspruch sein müssen.

Der Ausbildungsmarkt schrumpft schneller als die Zahl der Bewerber

Deutlicher als bei den Arbeitslosenzahlen ist der Einbruch bei der Ausbildung. Seit Beginn des Beratungsjahres meldeten sich 5.701 Bewerberinnen und Bewerber, ein Minus von 21 Personen oder 0,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum — praktisch unverändert. Die Zahl der von Betrieben gemeldeten Ausbildungsstellen sank im selben Zeitraum um 1.313 auf 3.840, ein Rückgang von 25,5 Prozent. Ende Juli waren 2.297 junge Menschen noch unversorgt, 7,5 Prozent mehr als vor einem Jahr, während 1.491 betriebliche Ausbildungsplätze unbesetzt blieben, 27,1 Prozent weniger als 2025.

Schon Ende Mai hatte sich die Schere angedeutet: 2.878 Bewerbende standen damals 1.681 unbesetzten Stellen gegenüber. Die Agentur verweist zudem darauf, dass junge Menschen aus dem Umland zur Ausbildung nach Köln einpendeln und die rechnerische Lücke damit größer ausfällt als die städtische Statistik ausweist. Wie viele Einpendelnde es sind, weist der Bericht nicht aus. Bekannt ist nur die Richtung: Das Angebot an Ausbildungsplätzen fällt schneller als die Nachfrage danach.

„Für junge Menschen gibt es ganz aktuell noch 1.500 offene Ausbildungsstellen. Wer sich fachlich flexibel und aufgeschlossen zeigt, hat noch gute Chancen einen Vertrag abzuschließen.“

Johannes Klapper, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Köln

Der Rückgang um ein Viertel binnen eines Jahres ist der härteste Befund des Berichts, weil er anders wirkt als eine Konjunkturdelle: Wer heute keinen Ausbildungsplatz ausschreibt, hat in drei Jahren keine Fachkraft. Für einen Standort, dessen Stärke traditionell aus Handel, Versicherungswirtschaft, Medien und Handwerk kommt, ist das eine Rechnung mit langer Laufzeit — und eine, die sich nicht durch Zuwanderung allein korrigieren lässt, weil die betriebliche Ausbildung der Engpass ist, nicht die Nachfrage danach.

Für Jugendliche hat der Juli noch eine zweite Seite. Rund ein Drittel der Entlassungen des Monats betraf nach Angaben der Agentur Menschen unter 25 Jahren — überwiegend frisch ausgebildete Fachkräfte, die von ihrem Ausbildungsbetrieb nicht übernommen wurden. Diese Gruppe findet erfahrungsgemäß rasch wieder Beschäftigung, weshalb ein Teil des Juli-Anstiegs im Herbst von selbst verschwinden dürfte. Das Ausbildungsjahr beginnt am 1. September; am 11. September folgt in Köln die Ausbildungsmesse „AzubiConnect — Check deine Zukunft“.

Bürotürme am Kölner Rheinufer im Sommerdunst, vom rechten Ufer gesehen
Rund 44.000 offene Stellen waren Ende Juli in Köln gemeldet. · Symbolbild (KI-generiert)

Köln liegt gut zweieinhalb Punkte über dem Bundeswert

Bundesweit fiel der Juli ebenfalls schwach aus. Die saisonbereinigte Arbeitslosenquote stieg nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit auf 6,4 Prozent nach 6,3 Prozent im Juni; die Zahl der Arbeitslosen nahm um 6.000 auf 2,99 Millionen zu, unbereinigt lag sie über drei Millionen. Der Bestand gemeldeter Stellen sank bundesweit auf 628.000 und damit um 75.000 binnen eines Jahres. Köln liegt mit 9,0 Prozent gut zweieinhalb Prozentpunkte über dem Bundeswert. Der Abstand ist für eine Großstadt nicht überraschend, erklärt aber nicht, warum die Kölner Quote in einem Jahr sinkender Bundesnachfrage nach oben zeigt.

Aufschlussreich ist die Gegenrichtung bei den Stellen: Während der bundesweite Bestand um 75.000 zurückging, hielt sich der Kölner Bestand nicht nur, er wuchs zwischen Mai und Juli um gut 100 Positionen. Das spricht dafür, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften in der Stadt weniger stark eingebrochen ist als im Bundesdurchschnitt — und dass der Anstieg der Arbeitslosigkeit weniger aus einem allgemeinen Einstellungsstopp stammt als aus Trennungen in einzelnen Häusern. Welche Betriebe das sind, weist die Monatsstatistik nicht aus.

Offen bleibt damit die Frage, die für den Standort zählt: ob die 5.484 verlorenen Stellen bei den unternehmensnahen Dienstleistungen eine konjunkturelle Delle sind oder der Beginn einer Verlagerung. Die Beschäftigungsstatistik zum ersten Quartal 2026 wird das erst im Herbst zeigen. Die nächste Monatsstatistik der Agentur für Arbeit Köln erscheint Ende August; sie wird zeigen, ob der Juli-Anstieg saisonal war oder der Beginn einer Linie.

Quellen und Weiterlesen
Katharina Esser, Chefredakteurin — KI-generiertes Porträt
Katharina Esser
Chefredakteurin · Business & Unternehmen
Leitet die Kölner Zeit seit der Gründung 2022. Zuvor zehn Jahre Wirtschaftsredakteurin in Düsseldorf und Frankfurt. Schreibt über Mittelstand, Startups und Strukturwandel im Rheinland.
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