30 Jahre Altenberger Hof: Nippes feiert sein Bürgerzentrum – und öffnet die kühle Scheune
Das Bürgerzentrum Nippes im Altenberger Hof wird 30 Jahre alt. Eine Ausstellung im Bezirksrathaus zeigt ab dem 3. September die Geschichte des Hauses – und in der Hitzewoche öffnet die klimatisierte Scheune am 13. und 14. August als kühler Rückzugsort.
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Mauenheimer Straße 92 in Nippes: 827 Jahre liegen zwischen der ersten urkundlichen Erwähnung des Altenberger Hofs und diesem Hochsommer. Die jüngsten 30 davon sind die Jahre als Bürgerzentrum – und genau die feiert der Stadtteil ab September mit einer Ausstellung. Vorher aber hat das Haus einen unmittelbareren Dienst zu leisten: An diesem Donnerstag und Freitag, 13. und 14. August, öffnet das Bürgerzentrum Nippes seine klimatisierte Scheune von 9 bis 19 Uhr als kühlen Rückzugsort. Tische und Stühle stehen bereit, Leitungswasser gibt es kostenlos aus dem Hahn.
„Es wird wieder warm“, heißt es dazu lakonisch auf der Website des Zentrums – und das Angebot ist an klare Bedingungen geknüpft. Geöffnet wird grundsätzlich an Tagen, für die der Deutsche Wetterdienst eine Hitzewarnung ausgibt, und nur dann, wenn in der Scheune keine Veranstaltung stattfindet; die Regel gilt damit über diese Woche hinaus für den Rest des Sommers. Für Donnerstag und Freitag hat das Zentrum die Öffnung fest angekündigt. Wer der Hitze in der eigenen Wohnung entkommen will, kann ohne Anmeldung vorbeikommen, Platz nehmen und bleiben, solange er mag. Ein Programm gibt es an diesen Tagen bewusst nicht – die Scheune soll schlicht ein kühler Ort zum Sitzen sein.
Eine Ausstellung in der Rotunde erzählt drei Jahrzehnte Stadtteilarbeit
Das eigentliche Jubiläumsprogramm beginnt drei Wochen später. Vom 3. bis zum 24. September zeigt eine Ausstellung in der Rotunde des Bezirksrathauses Nippes, Neusser Straße 450, die Stadtteilarbeit der vergangenen drei Jahrzehnte – von den Anfängen als städtische Einrichtung bis zum heutigen Veranstaltungsbetrieb. Die Schau soll nach Angaben der Stadt dazu einladen, die Arbeit im Stadtteil zu würdigen; zusammengetragen wird dafür, was sich in drei Jahrzehnten an Erinnerungen, Dokumenten und Bildern angesammelt hat. Gewürdigt werden sollen dabei ausdrücklich auch die Menschen, die die Einrichtung über die Jahre geprägt haben. Eröffnet wird am Donnerstag, 3. September, um 18 Uhr; das Grußwort spricht Henning Meier, stellvertretender Bezirksbürgermeister des Stadtbezirks Nippes. Der Eintritt ist frei. Zu sehen ist die Schau zu den Öffnungszeiten des Bezirksrathauses:
- montags und donnerstags von 8 bis 15 Uhr
- dienstags von 9 bis 18 Uhr
- mittwochs und freitags von 8 bis 12 Uhr
Dass die Ausstellung nicht im Bürgerzentrum selbst hängt, sondern im Bezirksrathaus, hat einen praktischen Nebeneffekt. Sie erreicht dort auch Menschen, die mit dem Altenberger Hof bisher nichts zu tun hatten und nur ein Dokument abholen wollen – ein größeres Schaufenster hat der Stadtteil kaum zu bieten. Drei Wochen lang läuft die Stadtteilgeschichte damit dort, wo sonst Verwaltungsalltag herrscht.
Die Geschichte des Hofs reicht bis ins Jahr 1199 zurück
Gefeiert werden 30 Jahre – die Geschichte des Ortes ist ungleich länger. Der Altenberger Hof gilt als ältester dokumentierter Siedlungspunkt in Nippes. Seine leicht erhöhte Lage schützte vor Hochwasser und machte die Stelle schon in römischer Zeit attraktiv: Bei Bauarbeiten in den 1990er Jahren stießen Arbeiter auf Überreste einer Villa rustica, eines römischen Gutshofs. Urkundlich taucht das Anwesen erstmals 1199 auf, in einer Schenkungsurkunde an das Stift St. Kunibert. 1453 wurde es an die Abtei Altenberg verkauft – daher der Name, der sich über mehr als fünf Jahrhunderte gehalten hat.
Dass daraus einmal ein Bürgerzentrum werden würde, war lange nicht ausgemacht. Das Herrenhaus diente bis in die 1950er Jahre als Wohngebäude; danach ließ ein früherer Eigentümer das Gehöft nach Darstellung des Stadtteilarchivs Nippes bewusst verfallen, um Platz für Wohnbebauung zu schaffen. Die Stadt Köln kaufte das Anwesen schließlich in den 1980er Jahren – die Verhandlungen über den Kaufpreis zogen sich rund zehn Jahre hin. In der heutigen Scheune wurde sogar noch bis 1999 ein Biergarten betrieben – drei Jahre lang existierten Bürgerzentrum und Ausschank auf demselben Hof also nebeneinander, bevor auch die Scheune zum Veranstaltungsraum wurde.
Das Zentrum selbst ist älter, als sein Jubiläum vermuten lässt. 1989 nahm es als städtische Einrichtung in der Turmstraße die Arbeit auf; 1996 kamen die Räume des restaurierten Altenberger Hofs dazu – auf dieses Datum bezieht sich das 30-jährige Bestehen, das die Stadt in ihrer Mitteilung vom 6. August würdigt. Seit 1996 sei das Haus ein kultureller und sozialer Treffpunkt in Nippes, heißt es dort; die Stadt beschreibt den Hof als „lebendigen Ort der Begegnung, der Kultur und des gesellschaftlichen Engagements“ im Stadtteil. Theater, Kabarett, Konzerte und Lesungen haben den Hof seither geprägt.
Seit 2005 trägt ein gemeinnütziger Verein das Haus
Die Trägerschaft liegt seit 2005 beim gemeinnützigen Verein Zug um Zug e.V. Der Verein betreibt das soziokulturelle Zentrum an zwei Standorten, im Altenberger Hof und in der Turmstraße 3–7, und zählt nach eigenen Angaben mehr als 50 wöchentliche Angebote: für Kinder und Jugendliche, Sport und Entspannung, Tanz und Musik, dazu Formate für Vernetzung und Engagement im Veedel. Viele Angebote sind kostenlos, andere kosten eine Spende oder ein kleines Entgelt. Vermietet werden außerdem Räume vom Clubraum über Seminarräume und das Herrenhaus bis zur Scheune – eben jener, die in dieser Woche als Kühlraum dient; am zweiten Standort in der Turmstraße kommen Eltern-Kind-Bereiche dazu. Für die Bewirtung auf dem Hof sorgt mit dem „Potpourri“ ein eigenständiger Gastronomiebetrieb mit eigenen Öffnungszeiten. Nach 21 Jahren Vereinsträgerschaft ist die Konstruktion damit länger in Kraft, als das Zentrum zuvor in städtischer Hand war. „Wie wollen wir miteinander leben? Gemeinsam, zugewandt und respektvoll – jedem Menschen gegenüber“, beschreibt der Verein seinen Leitgedanken.
Wie breit dieser Anspruch im Alltag gefächert ist, zeigt der Blick auf die jüngeren Meldungen des Hauses. Da findet sich das Lichtfest, das im Januar 2025 bereits zum dritten Mal den Wilhelmplatz zum Leuchten brachte, organisiert unter anderem mit dem Flüchtlingszentrum Fliehkraft; eine Wunschbaumaktion, für die im Dezember 2024 gemeinsam mit dem Singtreff Nippes und dem Verein Heimatlos in Köln 100 glitzernde Sternenwünsche gebastelt wurden; ein Tischtennis-Rundlaufturnier für Schülerteams in der Scheune oder das Sommerfest der Hausgemeinschaft Turmstraße 3–7. Seit Dezember 2024 stellt das Zentrum außerdem einen Projektraum bereit, den Engagementgruppen für nicht-kommerzielle Ideen kostenlos nutzen können. Auch der Runde Tisch Nippes tagt im Haus; im Dezember 2024 beriet der Arbeitskreis dort über Aktionen zur Stärkung der Demokratie vor der Bundestagswahl 2025. Selbst kleine Episoden dokumentiert das Haus gewissenhaft – im Frühjahr 2025 etwa eine Eichhörnchen-Rettungsaktion auf dem Gelände. Seit 2012 probt zudem das Flora Sinfonie Orchester im Haus, bis zu 100 Musikerinnen und Musiker kommen dafür wöchentlich zusammen. Das Zentrum gehört dem Trägernetzwerk „Kölner Elf“ an, in dem sich nach Angaben des Zentrums 14 Kölner Bürgerhäuser und Bürgerzentren zusammengeschlossen haben – der Name stammt erkennbar aus Zeiten mit weniger Mitgliedern.
Begleitet wird das Jubiläumsjahr vom Stadtteilarchiv Nippes. Das Archiv bereitet jeden Monat einen Beitrag zur Geschichte des Hauses vor; Ende Juni erschien Teil 1 der Reihe über die Vorgeschichte des Hofs, mit historischem Material aus den eigenen Beständen. So soll Monat für Monat ein Stück Stadtteilgeschichte dazukommen – von der römischen Landstelle über den Gutshof der Abtei bis zum Bürgerzentrum der Gegenwart.
- Donnerstag und Freitag, 13. und 14. August: klimatisierte Scheune geöffnet, 9 bis 19 Uhr, Mauenheimer Straße 92
- Donnerstag, 3. September, 18 Uhr: Eröffnung der Jubiläumsausstellung mit Grußwort von Henning Meier, Eintritt frei
- 3. bis 24. September: Ausstellung in der Rotunde des Bezirksrathauses Nippes, Neusser Straße 450, zu den Öffnungszeiten des Rathauses
Für den Alltag in Nippes heißt das: Diese Woche kühlt der Hof, ab September erzählt er. Wer wissen will, wie aus einem verfallenden Gutshof der Treffpunkt eines Stadtteils wurde, hat dafür drei Wochen in der Rotunde des Bezirksrathauses Zeit – oder geht gleich in die Mauenheimer Straße 92, wo die Geschichte im laufenden Betrieb weitergeschrieben wird. Und wem dafür diese Woche zu heiß ist, der findet dort ab Donnerstagmorgen zumindest einen kühlen Stuhl und ein Glas Wasser – solange der Wetterdienst warnt.
- Stadt Köln, Pressemitteilung vom 6.8.2026: Aus Ämtern und Stadtbezirken (u.a. 30 Jahre Altenberger Hof)
- Bürgerzentrum Nippes: Aktuelles
- Bürgerzentrum Nippes: Wegen Hitze – klimatisierte Scheune am 13. und 14. August geöffnet
- Bürgerzentrum Nippes: 30 Jahre Altenberger Hof – Teil 1: die Vorgeschichte
- Bürgerzentrum Nippes: Über uns




