578 Spielplätze kontrolliert: Kölns Bilanz der Aktionswoche
Die Stadt Köln hat ihre Aktionswoche ausgewertet: 578 kontrollierte Spielplätze, 248 Feststellungen und 16 Millionen Euro Müllkosten im Jahr.
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Das Kölner Ordnungsamt hat in der Aktionswoche „Sicherheit und Sauberkeit in den Veedeln“ vom 20. bis 26. Juli insgesamt 578 Spielplätze kontrolliert und dabei 248 Feststellungen getroffen. Das teilte die Stadt am Dienstag, 28. Juli, mit. In 77 Fällen beauftragte die Behörde die Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) mit der Entsorgung von Müll oder illegalen Lagern. 22-mal trafen die Kontrolleurinnen und Kontrolleure Menschen mit Alkohol auf einem Spielplatz an, 20-mal beim Rauchen, zweimal mit Cannabis. Es war die zweite Aktionswoche dieser Art in diesem Jahr.
Anlass für die Schwerpunktkontrollen waren nach Angaben der Verwaltung der Beginn der Sommerferien und das anhaltend sonnige Wetter. Beides führt dazu, dass sich mehr Menschen in Parks, auf Spielplätzen und auf öffentlichen Plätzen aufhalten – und dass dort mehr liegen bleibt. Die Stadt beziffert die Kosten, die ihr durch achtlos weggeworfenen Abfall jedes Jahr entstehen, auf rund 16 Millionen Euro. Für die Entfernung illegaler Graffiti von öffentlichen Flächen kommen nach denselben Angaben etwa 1,2 Millionen Euro hinzu. An warmen Sommerwochenenden fallen in den Kölner Grünanlagen zwischen 20 und 30 Tonnen Abfall an.
Auf den Spielplätzen ging es um mehr als um liegen gebliebenen Abfall
Die kontrollierten Flächen verteilen sich über das gesamte Stadtgebiet. Die 248 Feststellungen reichen von illegal abgelagertem Müll über Rauchen und Alkoholkonsum bis zu unerlaubtem Grillen und Verstößen im Umgang mit Hunden. In 77 Fällen war die Lage so, dass das Ordnungsamt die AWB einschaltete – teils wegen einzelner Ablagerungen, teils wegen dessen, was die Verwaltung „illegale Lager“ nennt, also dauerhaft abgestellter Habseligkeiten. Auf Kölner Spielplätzen sind Rauchen und Alkohol untersagt; Verstöße kann das Ordnungsamt als Ordnungswidrigkeit ahnden.
- 578 kontrollierte Spielplätze in der Woche vom 20. bis 26. Juli
- 248 Feststellungen insgesamt
- 77 Aufträge an die Abfallwirtschaftsbetriebe wegen Müll oder illegaler Lager
- 22 Antreffen mit Alkohol, 20 mit Zigaretten, zwei mit Cannabis
- acht Personen beim Wegwerfen von Müll, sechs Hunde auf Spielplätzen, drei Grillverstöße, ein Fall von Wildpinkeln
- zusätzlich 144 kontrollierte Schulhöfe mit zwei Feststellungen
Die Aufschlüsselung lohnt einen zweiten Blick. Jene drei Punkte, über die im Vorfeld solcher Wochen am meisten geredet wird – Grillen, Hunde, Wildpinkeln –, machen zusammen zehn der 248 Feststellungen aus. Der weitaus größere Teil entfällt auf Abfall sowie auf Alkohol und Zigaretten. Und die 144 kontrollierten Schulhöfe, die in der Bilanz fast untergehen, ergaben ganze zwei Feststellungen. Wer in diesen Zahlen das Bild eines durchgehend verwahrlosten öffentlichen Raums sucht, findet es nicht bestätigt.
Ein zweiter Schwerpunkt lag beim Grillen. Nach Zahlen der Stadt sind im laufenden Jahr bislang 128 Grillverstöße festgestellt worden. 91 davon betrafen ungeeignete Grillgeräte – Einweggrills und ähnliche Konstruktionen, die die Grasnarbe verbrennen und bei Trockenheit ein Brandrisiko darstellen. Im Lohsepark in Nippes sprachen Grillscouts der Stadt Grillende gezielt an und warben dafür, den Abfall wieder mitzunehmen, statt ihn neben überfüllten Behältern abzustellen. Ein glimmender Einweggrill auf verdorrtem Rasen kann eine ganze Grünfläche in Brand setzen.
Die drei Grillverstöße der Aktionswoche stehen 128 im gesamten bisherigen Jahr gegenüber. Über sieben Monate gerechnet sind das im Schnitt gut vier pro Woche – der Wert der Schwerpunktwoche liegt also nicht über dem Normalmaß, sondern darunter. Das kann daran liegen, dass auf Spielplätzen ohnehin selten gegrillt wird und die Verstöße in Grünanlagen anfallen. Es kann auch am Wetter der einzelnen Tage gelegen haben. Eine Erklärung nennt die Stadt in ihrer Bilanz nicht.
Was in den Anlagen zurückbleibt, ist nach Angaben der Verwaltung immer wieder dasselbe: Pizzakartons, Glasflaschen, Einweggrills, Einwegverpackungen, Plastiktüten. Das ist keine zufällige Aufzählung, sondern die Beschreibung dessen, was ein Sommerabend im Park produziert. Zwischen 20 und 30 Tonnen kommen an einem warmen Wochenende zusammen – eine Größenordnung, die weniger über einzelne Verstöße aussagt als über die schiere Zahl der Menschen, die bei 30 Grad nicht in ihrer Wohnung sitzen wollen.
Der Oberbürgermeister griff selbst zur Bürste
Oberbürgermeister Torsten Burmester, auf dessen Initiative das Format zurückgeht, nahm in der Aktionswoche an mehreren Terminen teil. Am Kinderspielplatz im Hiroshima-Nagasaki-Park reinigte er gemeinsam mit dem Team der Kölner Anti Spray Aktion (KASA) Mauern von illegalen Graffiti. Die KASA ist seit Jahren mit der Beseitigung von Schmierereien auf städtischen Flächen befasst; die Stadt veranschlagt dafür jährlich rund 1,2 Millionen Euro. Burmester verband den Termin mit einem Appell an die Eigenverantwortung und mit dem Hinweis auf die Zahl der Beteiligten.
„Viele Akteure arbeiten Hand in Hand für mehr Sauberkeit, Ordnung und Sicherheit in den Kölner Veedeln.“
Torsten Burmester, Oberbürgermeister der Stadt Köln
Beteiligt waren neben dem Ordnungsamt und den Abfallwirtschaftsbetrieben der Kommunale Ordnungsdienst, die Grillscouts und die KASA. Hinzu kamen Termine, die nicht auf Kontrolle zielten: Auf der Neusser Straße in Nippes waren Kräfte im Einsatz, und unter dem Titel „Odi in der Kita“ läuft ein Präventionsprojekt, mit dem das Ordnungsamt Kinder im Vorschulalter erreichen will. Wie viele Einrichtungen es in der Aktionswoche besuchte und wie viele Kräfte insgesamt im Einsatz waren, teilte die Stadt nicht mit.
Auch 75 Imbissbetriebe standen auf der Kontrollliste
Neben den Grünanlagen nahm die Stadt in der Aktionswoche die Gastronomie im öffentlichen Raum ins Visier. 75 Imbissbetriebe wurden kontrolliert, in 27 Fällen dokumentierten die Kontrolleure Mängel – das ist mehr als jeder dritte geprüfte Betrieb. Es ging dabei nach Angaben der Verwaltung überwiegend um unzureichende Vorkehrungen zur Abfallentsorgung, also darum, ob ein Betrieb genug eigene Behälter vorhält und den Bereich vor der Tür sauber hält. Wie viele der 27 Fälle in ein Bußgeldverfahren münden, teilte die Stadt nicht mit.
Die 16 Millionen Euro, die Köln nach eigener Rechnung jährlich für achtlos weggeworfenen Abfall ausgibt, entsprechen bei gut einer Million Einwohnerinnen und Einwohnern rechnerisch etwa 15 Euro pro Kopf. Getragen wird die Summe über Gebühren und den städtischen Haushalt, also auch von denen, die ihren Müll mitnehmen. Genau das ist das Argument, mit dem die Verwaltung ihre Kontrolloffensiven begründet: Die Kosten des Wegwerfens trägt nicht der Verursacher.
Dagegen lässt sich einwenden, dass die Zahl der Behälter in stark frequentierten Parks und ihre Leerungsfrequenz mit darüber entscheiden, wie viel neben ihnen landet. Wer an einem Sonntagabend vor einem überquellenden Papierkorb steht, trifft eine andere Entscheidung als jemand vor einem leeren. Zur Ausstattung der Anlagen und zu den Leerungsintervallen während der Aktionswoche machte die Stadt in ihrer Bilanz keine Angaben – ein Punkt, an dem die Bezirksvertretungen nach den Ferien ansetzen können.
Was die Bilanz offenlässt
Die veröffentlichten Zahlen beschreiben eine Woche. Ob der erhöhte Kontrolldruck über den Zeitraum hinaus wirkt, lässt sich aus ihnen nicht ablesen: Vergleichswerte aus einer Woche ohne Schwerpunktkontrollen nannte die Stadt nicht, ebenso wenig die Zahl der eingeleiteten Bußgeldverfahren oder die Höhe der verhängten Verwarnungsgelder. Auch bleibt offen, wie sich die 248 Feststellungen auf die neun Stadtbezirke verteilen – eine Angabe, die für die Bezirksvertretungen von Interesse wäre, weil sie über Reinigungsintervalle und die Ausstattung einzelner Anlagen mitreden.
Die erste Aktionswoche dieses Jahres hatte die Stadt bereits früher unter dem Titel „Ordnung und Sauberkeit in den Veedeln“ durchgeführt. Das Format kombiniert Kontrollen des Ordnungsamts mit Reinigungsaktionen der AWB, mit Beratungsangeboten und mit öffentlichkeitswirksamen Terminen der Verwaltungsspitze. Kritik daran gibt es regelmäßig aus zwei Richtungen: Den einen sind die Kontrollen zu selten und zu wenig folgenreich, den anderen erscheint der Aufwand für Schwerpunktwochen im Verhältnis zum Dauerproblem gering.
Einen Termin für eine dritte Aktionswoche in diesem Jahr nannte die Stadt in ihrer Bilanz vom 28. Juli nicht. Die Schwerpunktkontrollen auf Spielplätzen und in Grünanlagen laufen nach Angaben des Ordnungsamts unabhängig davon weiter, solange die Sommerferien andauern. Über die Kosten des Litterings und den Umgang damit hatte am selben Tag auch t-online berichtet. Die nächste turnusmäßige Gelegenheit für die Politik, Zahlen nachzufordern, sind die Sitzungen der Bezirksvertretungen nach den Ferien.




