Ein Automobilclub am Ärmel: Der ACV steigt bei den FC-Frauen ein
Der Kölner Automobilclub ACV wird zur Saison 2026/27 Premiumpartner der FC-Frauen. Am selben Tag stehen die ersten fünf Spieltage fest – Auftakt ist am 22. August in Frankfurt.
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Der ACV Automobil-Club Verkehr wird zur Saison 2026/27 Premiumpartner der Frauenabteilung des 1. FC Köln. Das teilten Klub und Club am Montag mit. Bei den FC-Frauen tritt der ACV als Ärmelpartner auf und erscheint zusätzlich auf der Trainingsausstattung des Bundesliga-Teams; bei den Männern und in der Akademie ist er ebenfalls Partner und bei Heimspielen im RheinEnergieSTADION präsent. Zur Laufzeit des Vertrags machten beide Seiten keine Angaben.
Man kann eine Ärmelfläche für eine kleine Nachricht halten. Im Frauenfußball ist sie das nicht. Die Vermarktungserlöse der Bundesligistinnen liegen weit unter denen der Männer, und Partner, die nicht nur den Namen des Vereins buchen, sondern ausdrücklich die Frauenabteilung, sind noch immer die Ausnahme.
Ein Partner, den die DEVK vor über sechzig Jahren gegründet hat
Der ACV sitzt in Köln und wurde nach Angaben des Vereins 1962 von den DEVK Versicherungen gegründet. Er hat über 550.000 Mitglieder und ist damit nach eigener Darstellung Deutschlands drittgrößter Automobilclub. Ein Kölner Unternehmen also, das einen Kölner Verein unterstützt – eine Konstellation, die in Müngersdorf seit Jahrzehnten funktioniert und über die man sich selten wundert. Bemerkenswert ist eher die Herkunft: Aus der Wurzel im Versicherungsgeschäft stammt bis heute das Geschäft mit Pannenhilfe und Schutzbriefen.
Für die Kölner Wirtschaft ist so ein Vertrag kein großer Posten, für die Frauenabteilung eines Bundesligisten sehr wohl. Wo Fernsehgelder und überregionale Vermarktung vergleichsweise wenig hergeben, entscheidet die Bereitschaft regionaler Unternehmen darüber, ob eine Abteilung Trainer, Physiotherapie und Nachwuchsstrukturen bezahlen kann. Anders gesagt: Es geht nicht um den Ärmel, sondern um das, was hinter ihm finanziert wird.
Die Begriffe sind dabei erklärungsbedürftig. Ein Premiumpartner steht in der Hierarchie eines Vereins unterhalb des Hauptsponsors, aber oberhalb der breiten Partnerreihe; ein Ärmelpartner bekommt die Fläche am linken oder rechten Trikotärmel, also die kleinste Werbefläche, die im Fernsehbild noch erkennbar ist. Bei den FC-Frauen kommt die Trainingsausstattung hinzu – Kleidung, die deutlich häufiger getragen wird als das Spieltrikot.
„Wir freuen uns sehr, dass wir auf die Unterstützung eines weiteren starken Partners aus Köln bauen können.“
Philipp Liesenfeld, Geschäftsführer Marketing & Vertrieb beim 1. FC Köln
Der Geschäftsführer des ACV, Holger Küster, nannte die Partnerschaft eine Herzensangelegenheit und hob hervor, dass sein Club den Schwerpunkt bewusst auf die Frauenabteilung legt. Das ist die interessantere Aussage: Nicht der Verein wird gebucht, sondern ein Teil von ihm, der bislang schwerer zu verkaufen war. Wer im Sponsoring den Fokus setzt, setzt ihn üblicherweise dorthin, wo die größte Reichweite liegt – und das ist im Fußball nach wie vor die Männermannschaft.
„Besonders freuen wir uns, mit unserem Engagement den Fokus auf die FC-Frauen zu legen.“
Holger Küster, Geschäftsführer des ACV Automobil-Club Verkehr
Nicole Bender-Rummler, Direktorin Frauen- und Mädchen-Fußball beim 1. FC Köln, sprach von Rückhalt aus der Stadt. Ihre Formulierung ist die eleganteste Beschreibung dessen, was ein regionaler Sponsor für eine Abteilung bedeutet, die noch nicht von sich aus im Fernsehen stattfindet.
„Köln, seine Unternehmen, die Menschen, die für sie arbeiten, und der FC – das gehört einfach zusammen.“
Nicole Bender-Rummler, Direktorin Frauen- und Mädchen-Fußball beim 1. FC Köln
Am selben Tag kam der Spielplan für den Saisonstart
Der Verein hat am Montag außerdem die Terminierung der ersten fünf Spieltage veröffentlicht. Die Saison beginnt am Samstag, 22. August, um 12 Uhr mit einem Auswärtsspiel bei Eintracht Frankfurt. Eine Woche später, am Freitag, 28. August, um 18.30 Uhr, folgt das erste Heimspiel gegen die TSG 1899 Hoffenheim im Franz-Kremer-Stadion.
- 1. Spieltag: Samstag, 22. August, 12 Uhr, Eintracht Frankfurt – 1. FC Köln
- 2. Spieltag: Freitag, 28. August, 18.30 Uhr, 1. FC Köln – TSG 1899 Hoffenheim, Franz-Kremer-Stadion
- 3. Spieltag: Samstag, 5. September, 14 Uhr, 1. FSV Mainz 05 – 1. FC Köln
- 4. Spieltag: Samstag, 12. September, 14 Uhr, 1. FC Köln – 1. FC Union Berlin, Franz-Kremer-Stadion
- 5. Spieltag: Samstag, 19. September, 14 Uhr, FC Bayern München – 1. FC Köln
Der Auftakt hat es in sich: erst Frankfurt auswärts, im fünften Spiel dann München. Zwischen diesen beiden Terminen liegen drei Partien, in denen sich für die Kölnerinnen entscheidet, ob der Saisonstart als schwierig oder als misslungen in Erinnerung bleibt. Wer beide Spitzenspiele verliert und dazwischen nichts holt, steht nach fünf Wochen unten.
Die beiden ersten Heimspiele sind für das Franz-Kremer-Stadion angesetzt, die Anlage am Geißbockheim. Das ist die Größenordnung, in der die Bundesliga der Frauen üblicherweise stattfindet: überschaubar, nah am Feld, mit einer Kulisse, die man von der Gegengeraden aus überblickt. Für einzelne Partien weichen Vereine ins große Stadion aus, das ist inzwischen Routine – für den Alltag bleibt es beim kleinen Platz.
Auch der Rhythmus der ersten Wochen ist ungewöhnlich: erster und zweiter Spieltag liegen nur sechs Tage auseinander, danach folgen drei Partien im Wochenabstand. Dazu wechseln die Anstoßzeiten zwischen 12, 14 und 18.30 Uhr. Für die Mannschaft ist das Alltag, für ein Publikum, das sich an feste Termine gewöhnen soll, eher nicht. Wer eine Zuschauerbindung aufbauen will, braucht Verlässlichkeit – und die entsteht nicht aus fünf verschiedenen Anstoßzeiten.
Aktuell arbeitet die Mannschaft im Trainingslager. Als Test ist für Freitag, 31. Juli, um 12 Uhr eine Partie gegen den Grasshopper Club Zürich angesetzt. Die Termine stehen in der Mitteilung des Vereins zur Terminierung.
Was ein Ärmel wert ist, sagt niemand
Zahlen nennt keine der beiden Seiten. Weder zur Vertragsdauer noch zum Volumen gibt es Angaben, und das ist im Sponsoring die Regel, nicht die Ausnahme. Für die Einordnung wäre beides hilfreich: Ein Ärmelpartner bei den Männern ist eine Größenordnung, ein Ärmelpartner bei den Frauen eine deutlich andere. Ohne Summen bleibt es bei der Feststellung, dass ein weiterer Kölner Name dazukommt.
Trotzdem lässt sich etwas ableiten. Sponsoren aus dem Automobil- und Versicherungsumfeld sind im deutschen Fußball seit Jahrzehnten präsent, weil ihre Zielgruppe dieselbe ist wie die des Sports: Menschen mit Auto, Haushalt und Vertrag. Dass ein solcher Partner ausdrücklich die Frauenabteilung in den Vordergrund stellt, ist ein Signal an den Markt – und für den Verein ein Argument in den nächsten Verhandlungen.
Der zweite Teil des Montags war der nüchternere. Ein Spielplan ist keine Meldung, über die man lange sprechen kann; er ist die Voraussetzung dafür, dass Dauerkarten verkauft, Fahrten geplant und Schichten getauscht werden können. Fünf Termine reichen dafür bis Mitte September – der Rest folgt später, wie in jeder Saison. Immerhin: Vier der fünf Partien finden an einem Samstag statt.
Bemerkenswert ist die Konstruktion trotzdem. Der ACV bindet sich nicht an eine Abteilung, sondern an drei: Frauen, Männer, Akademie. Solche Pakete sind für Vereine bequem, weil sie Flächen bündeln, und für Sponsoren attraktiv, weil sie Reichweite und Nachwuchsarbeit in einem Vertrag bekommen. Ob dabei am Ende mehr bei den Frauen ankommt oder mehr bei den Heimspielen der Männer, lässt sich von außen nicht beurteilen.
Die Einzelheiten zur Partnerschaft stehen in der Mitteilung des 1. FC Köln. Der nächste überprüfbare Termin ist der 22. August in Frankfurt. Bis dahin bleibt vom Montag ein neuer Ärmel und ein Spielplan. Beides hilft am ersten Spieltag ungefähr gleich viel.




